Bernsteinöl
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Bibergeil
die Gewinnung von Bernstein immer mehr zurück
geht.
Bernsteinöl (Agtsteinöl, lat. Oleum succini,
frz. Huile de succin, engl. Ambre-oil), ein dunkel
braunes, grünlich schimmerndes, unangenehm
riechendes ätherisches Öl, das als Nebenprodukt
bei der Bereitung der Bernsteinsäure aus Bern
stein gewonnen wird, findet als krampfstiüendes
Mittel sowie äußerlich gegen Zahnschmerz An
wendung. Für den gleichen Zweck benutzt man
ein gereinigtes, über Holzkohle destilliertes B„
welches weniger unangenehm riecht und eine
blaßgelbe Farbe besitzt.
Bernsteinsäure (Succinylsäure, Dikarbon-
äthylensäure, lat. Acidum succinicum, frz.
Acide succinique, engl. Succinic acid), eine orga
nische Säure von der Formel (CH 2 .COOH) 2 ,
findet sich fertig gebildet im Bernstein, einigen
Braunkohlen, Harzen, Terpentinölen, Pflanzen-
und tierischen Säften. Sie entsteht bei der Oxy
dation von Fetten mit Salpetersäure, bei der
Gärung und Fleischfäulnis und wird im großen
durch Vergärung von äpfelsaurem Kalzium aus
Vogelbeersaft oder durch trockne Destillation
von Bernstein dargestellt. B. bildet farblose Kri
stalle von schwach saurem Geschmack, schmilzt
bei 185° und destilliert bei 235 0 unter Wasser
abspaltung. Zu ihrem chemischen Nachweise
bedient man sich des neutralen Kalzium- oder
Bariumsalzes, welche in Wasser und Alkohol
schwer, bzw. unlöslich sind. B. findet beschränkte
Anwendung zur Herstellung pharmazeutischer
Präparate, besonders des Liquor Ammonii suc-
cinici, sowie in der Chemie und Photographie.
Bertramwurzel (Zahnwurzel, Speichel-
Wurzel, lat. Radix pyrethri, frz. Racine de py-
r ethre, engl. Pellitor^). Unter diesem Namen
kommen im Drogenhandel zwei verschiedene
Wurzeln vor. 1. Die deutsche B. (Radii py-
tethri germanici) stammt von Anacyclus offi-
c, narum und wird vielfach in Thüringen an-
Sebaut. 2. Die römische B. (Radix pyrethri ro-
^ni) stammt von Anacyclus Pyrethrum,
e mer in Arabien, Syrien und Nordafrika wild
wachsenden, in Italien angebauten Pflanze aus
, er Familie der Kompositen. Beide besitzen
ein en brennend scharfen Geschmack, sind aber
ffpruchlos. Die deutsche B. hat Längsrunzein,
rJ e römische Querrunzeln. Bei ersterer ist der
'dolzkörper braun, bei letzterer gelb. Man ver
endet B. meist zu Zahntinkturen und Mund
wässern.
Beryll, ein in sechsseitigen Säulen kristalli-
Sle rendes, aus Kieselsäure, Tonerde und Beryll-
nrde bestehendes Mineral, ist sehr hart (Härte
8), glasglänzend und verschieden gefärbt,
°ch herrschen die grünen Farbtöne vor. Blaß
sru ner 0( j er f ar bi oser unc [ durchsichtiger B. wird
dler Beryll genannt und als Schmuckstein
erwendet. Alle undurchsichtigen B. nennt man
Gemeinen B., die gelblichgrünen und bläulich-
■Unea Spielarten Aquamarin, die lebhaft gras
grünen.Smaragd (s. d.).
L v Cta!n (Oxyneurin, Trimethylglykokoll,
p ,?i n ) nennt man eine im Satte der Zuckerrübe
Qy-raltene schwache organische Base, COOH .
-p ja-N(CH s )j,OH, welche auch künstlich aus
^'^ethylamin und Chloressigsäure erhalten wer-
n kann. Sie bildet große, farblose, glänzende
Kristalle, die jedoch an der Luft leicht zerfließen.
Ihre Verbindung mit Salzsäure, das B. hydro-
chlorid, vermag das Tetanustoxin zu neutrali
sieren.
Betelblätter (lat. Folia betel., frz. Feuilles de
bdtel, engl. Betel leaves), die langgestieltea, ei
rund herzförmigen Blätter einer ostindischen Pfef
ferart, Piper Betle, werden Wegen ihres bren
nend gewürzhaften und bitteren Geschmacks in
Ostindien mit den Arekanüssen (s. d.) zusammen
gekaut und finden auch in Europa medizinische
Anwendung. Sie enthalten ein ätherisches Öl,
Betelöl, welches gelbe bis braune Farbe, an
genehm teeartigen Geruch und brennenden Ge
schmack besitzt. Es hat das spez. Gew. 0,958
bis 1,057, den Siedepunkt 255° und besteht
aus einem dem Eugenol ähnlichen Phenol so
wie einem Kohlenwasserstoff. Das Öl wird in
Indien gegen katarrhalische Erkrankungen ver
ordnet.
Betol (Naphtalol), weißes glänzendes Kri
stallpulver von Salizylsäure-Naphtylester, C7H5O3..
C 10 H 7 , welches sich dem Salol analog verhält
und wie dieses als Antiseptikum benutzt wird.
Beton, eines der wichtigsten neueren Bau
materialien, besteht aus einer Mischung von
Zement (s. d.) mit Schotter und grobem Kies.
Betonienkraüt (Betunienkraut.Zehrkraut,
lat. Herba betonicae, frz. Feuilles de betone,
engl. Betony leaves), das getrocknete Kraut einer
Labiale, Betonica officinalis (L) mit roten
Blüten, eirunden, gekerbten und rauhhaarigen
Blättern von aromatischem Geruch, wird als
Volksmittel benutzt.
Bezetten(Schmink- oder Färberläppchen,
frz. Tournesol en drapeaux, engl. Tournesol) nennt
man mit Koschenille oder Pernambukabkochung
rot gefärbte Leinwandstreifen, die in Paketen
von Y4—1/2 kg von Venedig und Hamburg in
den Handel kommen und als Schminklappen ver
wendet werden. Die eigentlichen B. stammen aus
dem südlichen Frankreich und sind mit dem
Safte einer Euphorbiazee, Croton tinctori-
um (Krebskraut), gefärbt. Durch besondere
Behandlung wird die Farbe der Läppchen in
Blau und dann in Purpurrot übergeführt. Die
letztere Farbe dient in Holland zum Färben von
Käse. Beide wurden früher auch benutzt, um
Backwerk, Liköre, Gelees leicht zu röten.
Bezoare, ein veraltetes, in unserem Handel
kaum noch vorkommendes Medikament, besteht
aus den Darmsteinen einiger Wiederkäuer. Die
teuersten kommen aus Persien und heißen orien
talische oder echte B.
Bibergeil (lat. Castoreum, frz. Castorde, engl.
Castor fibre) nennt man getrocknete, aus vier
übereinanderliegenden Häuten gebildete Beutel,
die sich zu je zweien sowohl beim männlichen als
auch beim weiblichen Biber, in der Nähe der
Geschlechtsteile unter der Haut finden und eine
im frischen Zustande weiche und schmierige, äus-
getrocknet harte, braune und zerreibliche Masse
von durchdringendem Geruch enthalten. B. wird
medizinisch bei Nervenleiden sowie in der Par
fümerie verwendet. Man unterscheidet das B.
der Alten Welt, vom europäischen Biber
Gastor fiber), und das der Neuen Welt, vom
, nordamerikanischen Biber (Castor ameri-