Full text: Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

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Zweites Buch. Die Gegner. 
nach in Deutschland und Frankreich zur Anwendung gelangen, als 
Ausfluß der Ideen List’s angesprochen werden? 
Anscheinend nicht. Keines der beiden Länder, und ebensowenig 
die einem energischen Protektionismus treu gebliebenen Vereinigten 
Staaten, hat es heute noch nötig, seine Industrie zu erziehen. Schon 
seit langem haben sie jenen hoch entwickelten Zustand erreicht, der 
nach List zur vollen Entfaltung ihrer Zivilisation und ihrer Macht 
notwendig ist. Im besonderen stehen Deutschland und die Ver 
einigten Staaten England in dieser Hinsicht nicht mehr nach. Ihre 
Handels- und Kriegsflotten sind mächtig, und ihr Kolonialreich breitet 
sich ständig aus. Wenn List heute wiederkehrte, würde er, der 
mit solcher Entschiedenheit den relativen Wert der verschiedenen 
Handelssysteme, die Notwendigkeit, sie den wechselnden Bedingungen 
der Zeitläufte und der Völker anzupassen, betont hat, und der hohe 
Zölle immer nur als vorübergehende Maßregel zuließ, wahrscheinlich 
auf der Seite derer sein, die eine Erniedrigung der Zollschranken 
gerade im Interesse einer freieren Ausdehnung der produktiven 
Kräfte fordern. Hat er nicht selbst angekündigt, „daß nach Verlauf 
einiger Jahrzehnte durch die Vervollkommnung der Transportmittel 
die zivilisierten Nationen der Erde in Beziehung auf den materiellen 
wie auf den geistigen Verkehr so eng oder noch enger unter sich 
verbunden sein werden, wie vor einem Jahrhundert die verschiedenen 
Grafschaften von England“ 1 )? 
Die einschneidenden Veränderungen der wirtschaftlichen Lage, 
die seit 60 Jahren eingetreten sind, gestatten heute nicht nur nicht 
mehr, den Schutzzoll der großen handeltreibenden Nationen durch 
die Notwendigkeit einer „industriellen Erziehung“ irgendwie zu 
rechtfertigen, sondern die hauptsächlichsten Merkmale dieses Systems 
stehen in Widerspruch mit den von List aufgestellten Grundregeln. 
Weit davon entfernt, die Landwirtschaft ihrer natürlichen Entwick 
lung zu überlassen, wie er es wollte, hat vielfach gerade der Schutz 
der Landwirtschaft (unter anderem in Frankreich und in Deutschland) 
als Vorwand gedient, den Zolltarif ganz allgemein zu erhöhen. Die 
Konkurrenz des amerikanischen Getreides war im letzten Viertel 
des 19. Jahrhunderts die brutale Tatsache, die in Europa die Ver- 
*) Nat. Syst. Ausg. Cotta, S. 190. Wir geben übrigens nicht vor, behaupten 
zu wollen, daß zur Zeit List’s die Lage Deutschlands stärker als heute einen Schutz 
zoll erheischte. Man kann dies bezweifeln, wenn man daran denkt, daß Chaptau 
1819 von Sachsen sagte: „daß dieses Land sich durch seine Industrie in den ersten 
Bang der Manufakturvölker Europas gestellt habe“ (De l’industrie frangaise, 
Bd. I, S. 75) und von Preußen: „daß allein schon die Industrie Aachens und seiner 
Umgebung genügen würde, um ein Volk auszuzeichnen“ (ebenda S. 76), und wenn 
man sich endlich daran erinnert, daß der ganze Grund zu dem heutigen Wohlstand 
Deutschlands unter einem höchst liberalen Eegierungssystem gelegt worden ist.
	        
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