Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Zweites  Buch.  Die  Gegner.

Social  Science,  das  1858  bis  1859  veröffentlicht  wurde,  niedergelegten ­
  Ideen  zeigen  eine  höchst  bemerkenswerte  Ähnlichkeit  mit
denen  seines  deutschen  Vorgängers.
Wie  List,  so  greift  auch  Caeey  die  industrielle  Vorherrschaft
Englands  an  und  stellt  dem  Ideal  einer  internationalen  Arbeitsteilung
das  Ideal  unabhängiger  Nationen  gegenüber,  von  denen  jede  sich
mit  allen  Zweigen  der  wirtschaftlichen  Tätigkeit  beschäftigt  und  so
ihre  eigene  Individualität  herausarbeitet.  Seiner  Ansicht  nach  strebt
der  Freihandel  danach,  „für  die  ganze  Welt  eine  einzige  Werkstatt
zu  errichten,  der  alle  Rohstoffe  der  Welt  zuzusenden  sind,  wodurch
sie  infolge  der  äußerst  hohen  Transportkosten  verteuert  werden“ 1 ).
Die  Wirkung  dieses  Systems  ist,  zugunsten  einer  Nation  die  Fortschritte ­
  aller  anderen  zu  verlangsamen  oder  zu  verhindern.  Denn
eine  Gesellschaft  schreitet  fort  und  bereichert  sich  um  so  mehr,  je
näher  sie  dem  Typus  einer  Produktivgenossenschaft  kommt,  die  zur
gleichen  Zeit  eine  unendliche  Anzahl  verschiedener  Arbeiten  ausführt,
Arbeiten,  die  einander  gegenseitig  als  Absatzgebiete  dienen  und  sich
gerade  dadurch  fördern,  daß  sie  auf  verhältnismäßig  engem  Raume
vereinigt  sind.  Nur  eine  derartige  Genossenschaft  ist  imstande,  die
„verborgenen  Fähigkeiten“  des  Menschen 2 )  zu  entwickeln  und  seine
Herrschaft  über  die  Natur  auszubreiten.  Auf  Grund  dieser  beiden
Hauptzüge  läßt  sich  der  wirtschaftliche  Fortschritt  definieren.  Es
ist  das  in  nur  wenig  abweichender  Form  die  Definition  der  „normalen
Nation“  oder  des  hoch  entwickelten  Zustandes,  der  Feiedeich  List
am  Herzen  lag.  Es  ist  das  auch  sein  Ideal  des  beständigen  Fortschrittes, ­
  der  der  Handelspolitik  an  Stelle  der  sofortigen  Bereicherung
als  Ziel  gesetzt  wird.
Wie  List,  aber  noch  eindringlicher  zeigt  Caeey  den  wohltätigen
Einfluß,  den  die  räumliche  Nähe  der  unter  dem  Schutzzoll  erwachsenen ­
  Industrien  auf  die  Landwirtschaft  hat.
Außer  den  uns  bereits  bekannten  Argumenten  jedoch,  die  Caeey
hinsichtlich  der  Vorteile  anführt,  die  die  Landwirte  aus  ihrer  Berührung ­
  mit  den  industriellen  Zentren  ziehen,  finden  wir  bei  ihm
Gründe  von  viel  geringerer  Schlagkraft,  denen  er  aber  eine  große
Bedeutung  beimißt:
Nach  Caeey  befreit  der  Schutzzoll,  indem  er  der  Landwirtschaft
nahe  gelegene  Absatzgebiete  verschafft,  den  Landwirt  von  dem  in
seinen  Augen  exorbitanten  Tribut,  den  er  den  Händlern  für  den
Transport  über  große  Entfernungen  zahlt.  Diese  Begründung,  die  List
nur  streift 3 ),  findet  Eich  bei  dem  amerikanischen  Schriftsteller  jeden
')  Caeey,  Principles  of  social  Science,  Bd.  I,  S.  419  der  franz.  Übers.
2 )  Ebenda,  Bd.  I,  S.  349.
3 )  Vgl.  Das  Nat.  System,  Bd.  II,  Kap.  XIII,  S.  232,  Ausg.  Cotta  1841.
            
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