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urid dem Publikum die Überzeugung von einer solchen Sicher
heit ihrer Unternehmungen zu verschaffen, daß auch der Vorzug
der Gleichmäßigkeit der Verzinsung der Staatswerte jenen Ef
fekten gegenüber an Zugkraft einbüßen mußte. Die schein
bare Verringerung des Risikos bei den mehr oder minder
spekulativen Werten und die gleichzeitige Erhöhung der Zins-
differenz zwischen den mündelsicheren Anlagen und den Di
videndenpapieren, den Industrieobligationen und den höher ver
zinslichen auswärtigen Fonds stimmte selbst denjenigen Teil des
Kapitalistenpublikums für eine Vermögensanlage mit höheren
Renten günstig, der nichts verlieren kann und will. 1 )
Selbst in dem kapitalreicheren England führte der große,
wirtschaftliche Aufschwung, obwohl hier die Inanspruchnahme
des Geldmarktes, für den Ausbau der Volkswirtschaft nicht
in der Intensität, wie in Deutschland erfolgte, im Verein mit
der vermehrten Kapitalfestlegung durch gesteigerte Kapital
nachfrage zu einem Rückgang der Staatsanleihen. Frankreich
dagegen konnte den Kurs seiner Staatsanleihen im wesent
lichen deshalb besser bewahren, weil es seit Ende des, 19. Jahr
hunderts nicht mehr ein Land der Großindustrie und des Welt
handels ist. Ihm fehlt der Wagemut, der Unternehmungsgeist
der anglodeutschen Rasse. Seine Kapitalien suchen keine Be
tätigung in Handel und Gewerbe. Das französische Geld sehnt
sich nach Sicherheit und Ruhe. Auch ist für den Franzosen, der
sein Geld anlegen will, die Anlagemöglichkeit eng begrenzt.
An neuen Industriewerten herrscht empfindlicher Mangel. Der
Pfandbrief- und Kommunalobligationenumlauf ist unbedeutend,
die Eisenbahnobligationen sind bereits überzahlt. Die großen
jährlichen Neuersparnisse in Frankreich können also haupt
sächlich nur Anlage finden in ausländischen Fonds und hei
mischer Staatsrente. Hiervon wird die letzte Anlagemöglichkeit
am meisten benutzt. 2 ) Das Stagnieren der Bevölkerung Frank
reichs, sein wirtschaftliches Zurückbleiben sind die Ursachen
seiner finanziellen Überlegenheit und Stärke und bilden den
') Biermer, a. a. O. S. 11.
2 ) K i m m i c h, a. a. O. S. 272.