Full text: Ferdinand Lassalle

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Wutgeheul der von ihren Sesseln auffahrenden Richter 
unterbrochen. Aber ich bändigte meine Löwen so gut 
wie Batty. Ich provozierte sie, mir das Wort abzu 
schneiden, wenn sie wollten. Solange ich aber das Wort 
hatte, würde ich sprechen frei wie der Vogel in der Luft. 
Mir das Wort abzuschneiden wagten sie nicht, weil 
es offenbarer Kassationsgrund gewesen wäre. So fielen 
sie denn aus ihrem Aufruhr immer wieder in Nach 
giebigkeit zurück, und ich ging, den Kantschu kräftig 
schwingend, immer wacker voran. 
Als sich die Richter zur Beratung zurückzogen, ge 
währte das ganze Auditorium einen äußerst trübseligen 
Anblick. Meine Freunde hatten sich zahlreich einge 
funden. Keiner, der mich nicht für einen verlorenen 
Mann gehalten hätte. Einen solchen Eindruck hatte die 
Erbitterung der Richter gemacht. Dorn, der als Au- 
schauer da war und, wie alle, fast verhungernd treu 
aushielt, sagte mir: Der Staatsgerichtshof hat noch nie 
jemand freigesprochen. Er riet mir, schnell fortzufahren 
und mich in Sicherheit zu bringen. Denselben Rat 
gab mir Holthoff, der gleichfalls nicht den geringsten 
Glauben an eine Freisprechung mehr hatte. Denselben 
Rat, auf mich einstürmend, alle meine Freunde. Ich 
aber hielt eö meiner nicht würdig, den Rücken zu 
zeigen. Ich hielt aus wie der Fels im Sturm, obgleich 
im Falle der Verurteilung meine sofortige Verhaf 
tung gewiß war und ich selbst an meine Freisprechung 
nicht mehr glaubte, so groß war die Erbitterung ge 
wesen. 
Was die Gräfin, die gleichfalls zugegen war, dabei 
gelitten hat, kannst Du Dir denken.
	        
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