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Eine andere Eigentümlichkeit dieser Kartelle besteht darin, daß
sie nicht die ganze Produktion in sich vereinigen, sondern den Verkauf
von einzelnen Eisensorten kartellieren; so entstanden einzelne Kartelle
für Verkauf von Schwellen, Draht, Wagen usw. Die Unternehmungen,
die verschiedene Sorten herstellten, treten in verschiedene Kartelle
ein. So befindet sich z. B. die Dnjepr-A.-G. sogar in sieben solcher
Verkaufsstellen. Unter solchen Verhältnissen können die Werke in
der einen Sorte zusammen gehen, in der anderen gegeneinander kämpfen.
Die Kartellierung beschränkt sich nicht nur auf die südrussischen
Produzenten; es traten in diese Kartelle oft auch die Produzenten
anderer Rayons ein. Manchmal verbinden sich die einzelnen Verkaufs
stellen miteinander, um gemeinsam ein größeres Absatzgebiet und eine
größere Organisation zu ermöglichen. So vereinigte die erwähnte
„Prodameta“ 5 gesonderte Kartelle in sich.
Die Hauptaufgaben, welche sich die Syndikate stellen, sind dreierlei
Art: Erhöhung der Preise, Herabsetzung der Transportunkosten und
möglichste Verminderung der auf Kredit abgeschlossenen Geschäfte.
Wie die Kartelle auf die Höhe der Eisenpreise gewirkt haben,
davon kann uns schon ein Diagramm, welches die Bewegung der
durchschnittlichen Verkaufspreise der Dnjepr-A.-G. veranschaulicht,
eine Vorstellung geben.
Das Diagramm (S. 102) zeigt, daß die Preise der syndizierten
Artikel (durch + markiert) seit der Krisis im Jahre 1901 bedeutend
gestiegen sind.
Ein anderer Vorteil der Kartellierung besteht darin, daß die
Transportkosten jetzt von den meisten Kartellen auf den Kunden
abgewälzt werden. Die Werke verpflichten sich gewöhnlich, ihre
Fabrikate nur bis zur nächsten Eisenbahnstation zu liefern.
Besonders vorteilhaft war aber für die kartellierten Werke die
Veränderung der Kreditverhältnisse. Da die Kartelle sehr oft eine
große Macht gegenüber dem Kuuden haben, so diktieren sie jetzt
dem letzteren die Kreditbedingungen. So wurden kurze Zahlungs
fristen eingeführt. Da die Verkaufsstellen überall in Rußland Filialen
haben, so sind sie auch über die Kreditverhältnisse ihrer Kunden
besser unterrichtet als die einzelnen Produzenten. In der Regel
treten sie nur mit kapitalkräftigen Kunden in Verbindung; das
bestätigt schon die Tatsache, daß Verluste infolge von Zahlungs
unfähigkeit der Kunden sehr selten Vorkommen. Sie betrugen z. B.
bei der Prodameta, im Jahre 1909 nur 1148 Rubel 1 .
Da die russischen Kartelle bestimmt sind, den gemein
samen Absatz zu regulieren, erscheinen sie hauptsächlich als die
Vermittler zwischen den Produzenten einerseits und den Konsumenten
andrerseits. Sie beschränken daher, ja sie beseitigen mitunter völlig
1 Jahresbericht d. Prodameta, 1909.