Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

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Organisation  und  Bildung  von  Syndikaten.  Im  Süden  kommt  dafür ­
  vor  allem  in  Frage  die  Syndikatgesellschaft  „Prodameta“,  im
Ural  die  Verkaufsstelle  „Krowlja“,  die  hauptsächlich  Dachblech  absetzt. ­
  Der  Süden  drängt  aber  in  seinem  Aufschwung  den  Absatz
des  Urals  immer  mehr  zurück,  sodaß  der  Kampf  hier  immer  erbittertere ­
  Formen  annimmt.  Der  einzige  Bezirk,  der  außer  diesen
zwei  erwähnten  in  der  Eisenproduktion  noch  in  Frage  kommt,  ist
das  polnische  Gebiet.  Dessen  Produzenten  kommen  jetzt  aber  immer
mehr  in  Abhängigkeit  vom  Süden  und  insbesondere  von  der  südrussischen ­
  Boheisenproduktiou.  Sie  versuchen  mit  dem  Süden  zu
paktieren,  um  die  vorhandenen  Absatzmärkte  sich  zu  bewahren.
3.  Eisenbahnbestellungen.
Wenn  die  Konsumtion  von  Marktsorten  eine  wenn  auch  nur
langsame  Entwicklung  zeigt,  so  ist  in  der  neueren  Zeit  der  russische
Eisenbahnbau,  damit  aber  auch  der  Verbrauch  von  Eisenbahnmaterial
in  sichtlichem  Abnehmen  begriffen.
Der  Ausbau  des  russischen  Eisenbahnnetzes  nahm  seit  der
Zeit  der  Hochkonjunktur  ein  langsames  Tempo  an.  So  wurden  in
der  Periode  von  1896  —  1901  insgesamt  17048  Werst,  in  der  Periode
1902—1907  dagegen  bloß  7  938  Werst  neuer  Schienenwege  gebaut.
Dieses  verlangsamte  Wachsen  des  Eisenbahnnetzes  in  der  letzten
Zeit  steht  im  engsten  Zusammenhänge  mit  der  volkswirtschaftlichen
Entwicklung  .Rußlands  überhaupt.  Diese  wird  aber  außerdem  noch
von  einer  Reihe  ungünstiger  Verhältnisse  gehemmt.  Ungünstig  ist
die  in  den  letzten  Jahren  eingeschlagene  Eisenbahnbaupolitik  der
russischen  Regierung.  Es  ist  bis  jetzt  kein  klarer  Plan  für  eine
zielbewußte  Vergrößerung  des  Staatsbahnnetzes  im  Interesse  von
Handel  und  Industrie  ausgearbeitet  worden.  Noch  mehr,  in  der
Jetztzeit  ist  der  Neubau  von  Eisenbahnlinien  außer  solchen  von  rein
strategischer  Bedeutung  so  gut  wie  nicht  vorhanden 1 .  Wie  schlecht
infolge  dieser  Verhältnisse  die  Staatsbahnen  sich  rentieren,  und  wie
schlecht  es  mit  der  staatlichen  Eisenbahuwirtschaft  überhaupt  steht,
zeigen  uns  die  ständigen  und  immer  wachsenden  Defizite  der  letzten
Jahre.  Im  Jahre  1907  erreichte  das  Defizit  sogar  eine  Summe  von
rund  98000000  Rubel.
Die  Länge  der  russischen  Eisenbahnen  betrug  im  Jahre  1909
insgesamt  62471  Werst.  Das  Eisenbahnnetz  repräsentiert  also  schon
an  und  für  sich  einen  wichtigen  Schienenkonsumeuten  für  Reparaturzwecke, ­
  es  hat  aber  im  Vergleich  mit  der  Produktionsfähigkeit  der
Schienenwalzwerke  keine  ausschlaggebende  Bedeutung.  Der  Schienenverbrauch ­
  für  Reparaturzwecke  umfaßt  nach  der  Berechnung  von

1  Gutachten  der  Eisenindustriellen,  S.  30  u.  31.
            
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