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Der technische Betrieb war in dem Hugbes-Werk nach den da
maligen Anforderungen der englischen Technik eingerichtet. Da auf
diesem Gebiete damals große Erfindungen gemacht wurden, was die
Eisenherstellung in großen Massen ermöglichte und eine groß
kapitalistische Organisation erforderte, war auch das Hughes-Werk
von Anfang an als ein kapitalistischer Großbetrieb eingerichtet
worden. Es erscheint damals als die größte Unternehmung auf diesem
Gebiete in Rußland überhaupt, und schon im Anfänge der 80er Jahre
machte seine Produktion etwa 7"/ 0 der gesamtrussischen aus.
Die Leitung des W'erkes befand sich in den Händen von Hughes
selbst. Große Schwierigkeiten bot die Beschaffenheit der Arbeits
kräfte. Da die heimischen Arbeitskräfte qualitativ ungenügend und
quantitativ mangelhaft waren, mußte Hughes einen erheblichen Teil
des Arbeitspersonals, besonders für alle verantwortlichen Posten aus
England beziehen und ihm höhere Löhne zahlen.
Ihrem Charakter nach war die Gesellschaft überwiegend ein
Schienenwalzwerk. Als der Hauptabnehmer der Gesellschaft er
scheint deshalb der Staat selbst, der mit aller Kraft das neue Werk
begünstigte. Es wurde von ihm nicht nur die in dem Wertrage be
stimmte Prämie von 50 Kop. pro Pud Schiene sondern auch bei anderen
privaten Bestellungen ein erheblicher Zuschlag bezahlt.
Am 13. August 1876 erschien ein Ukas, laut welchem die Regierung
damit umging, Bestellungen in der Höhe von zwölf Millionen Pud
Stahlschienen ä 2,30 Rbl. (Silber) zu machen — ein Preis, der bis
jetzt alle existierenden weit überschritt. Unter diesen Bedingungen
hatte auch die Neurussische Gesellschaft die schon erwähnten
2700000 Pud bekommen. Die Entstehung und die erste Entwicklung
der südrussischen Eisenindustrie fand also unter starker staatlicher
Begünstigungspolitik statt.
Trotz aller dieser Begünstigung lagen die Aussichten der
weiteren Entwicklung der südrussischen Eisenbahnindustrie damals
ganz im Dunkeln. Eins war klar, daß die Eisenerzfrage bald mit
vollem Ernste auf treten mußte und daß die weitere Entwicklung
der Eisenwerke, soweit bloß die Donez- und Kertscheisenwerke in
Betracht kamen, unmöglich wurde Die Erze waren von niedrigem
Gehalt und phosphorhaltig (der Thomasprozeß war noch nicht er
funden); sie konnten nur als Zusatz dienen. Das beweist der Still
stand der Roheisengewinnung in dem Hughes-Werk in der Mitte der
80 er Jahre und besonders die Tatsache, daß die Gesellschaft diese
ganze Zeit keine Dividenden zahlen konnte.