Zweites Kapitel.
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auch nur der Anfang. Die Schwierigkeit liegt nicht darin, zu
begreifen, daß Geld Ware, sondern wie, warum, wodurch Ware
Geld ist.*
Wir sahen, wie schon in dem einfachsten Wertausdruck,
x Ware A — y Ware B, das Ding, vorin die Wertgröße eines
andern Dinges dargestellt wird, seine Aequivalentform unabhängig
von dieser Beziehung als gesellschaftliche Natureigenschaft zu
besitzen scheint. Wir verfolgten die Befestigung dieses falschen
Scheins. Er ist vollendet, sobald die allgemeine Aequivalentiorm
mit der Naturalform einer besonderen Warenart verwachsen oder
zur Geldform kristallisiert ist. Eine Ware scheint nicht erst Geld
zu werden, weil die andern Waren allseitig ihre Werte in ihr
darstellen, sondern sie scheinen umgekehrt allgemein ihre Werte
In ihr darzustellen, weil sie Geld ist. Die vermittelnde Bewegung
verschwindet in ihrem eigenen Resultat und läßt keine Spur zurück.
Ohne ihr Zutun finden die Waren ihre eigene Wertgestalt fertig
vor als einen außer und neben ihnen existierenden Warenkörper.
Diese Dinge, Gold und Silber, wie sie aus den Eingeweiden der
Erde herauskommen, sind zugleich die unmittelbare Inkarnation
[Verkörperung] aller menschlichen Arbeit. Daher die Magie des
Geldes, Das bloß atomistische Verhalten der Menschen in ihrem
Besellschaftlichen Produktionsprozeß und daher die von ihrer Kon-
trolle und ihrem bewußten individuellen Tun unabhängige, sachliche
Gestalt ihrer eigenen Produktionsverhältnisse erscheinen zunächst
darin, daß ihre Arbeitsprodukte allgemein die Warenform annehmen,
Das Rätsel des Geldfetischs ist daher nur das sichtbar gewordene,
die Augen blendende Rätsel des Warenfetischs.
. % Nachdem Herr Professor Roscher uns belehrt: „Die falschen Defini-
tionen von Geld lassen sich in zwei Hauptgruppen teilen: solche, die es für
Mehr, und solche, die es für weniger halten als eine Ware“, folgt ein kunter-
bunter Katalog von Schriften über das Geldwesen, wodurch auch nicht
die entfernteste Einsicht in die wirkliche Geschichte der Theorie durch-
Schimmert, und dann die Moral: „Zu leugnen ist übrigens nicht, daß die
Meisten neueren Nationalökonomen die Eigentümlichkeiten, weiche das Geld
“On andern. Waren unterscheiden (also doch mehr oder weniger als Ware?),
Nicht genug im Auge behalten haben . . . Insofern ist die halbmerkanti-
listische Reaktion von Ganilh usw. nicht ganz unbegründet.“ (Wilhelm
Roscher: „Die Grundlagen der Nationalökonomie. 3. Auflage, 1858“, S. 207
bis 210, Mehr — weniger — nicht genug — insofern — nicht ganz! Welche
Begriffsbestimmungen! Und dergleichen eklektische Professoralfaselei tauft
Herr Roscher bescheiden „die anatomisch-physiologische Methode“ der
Politischen Oekonomie! Eine Entdeckung ist ihm jedoch geschuldet, näm-
lich, daß Geld „eine angenehme Ware“ ist