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fassung von dem Wesen des Geldes? In welcher Weise wird die
Kaufkraft der Geldeinheit, weiterhin gar die Gestaltung des „Preis-
niveaus“ am Markte, durch den mangelnden oder übermäßigen
Gebrauch des Geldes beeinflußt? Schumpeter erläutert die Be-
stimmungsgründe der objektiven Kaufkraft des Geldes an folgendem
Bilde: „Vergleichen wir die Warenmasse mit dem Raum in einem
Stehparterre und die Geldeinheiten mit den Eintrittsbilletts dazu,
so sehen wir sofort, wovon die Kaufkraft des Geldes abhängen
muß, der in diesem Gleichnis der Raum entspricht, welcher dem
einzelnen Besucher des Stehparterres zur Verfügung steht“ (Sozial-
produkt, S. 647), Es ergibt sich hieraus unmittelbar, daß eine
Änderung der Kaufkraft — des dem einzelnen zur Verfügung
stehenden Raumes im Theater bezw. Anteils am Sozialprodukt —
nicht bloß durch eine Verengung oder Erweiterung des Raumes
(Veränderung des Warenvorrats), sondern auch durch eine Ver-
mehrung oder Verminderung der Besucherzahl eintreten kann.
Diese letztere Möglichkeit wollen wir hier verfolgen, um dadurch
die unmittelbaren und weiteren Folgen des Geldmißbrauchs an-
schaulicher darzulegen.
ı. Der Vergleichspunkt sei zunächst in der Annahme ge-
geben, daß mehrere Inhaber von Eintrittskarten von dem Recht,
einen Platz in dem Stehparterre einzunehmen, keinen Gebrauch
machen. Die erste Folge dieses Verzichts ist, daß die übrigen Be-
sucher sich „breiter machen“ können oder sogar ein Teil des Raums
gänzlich unausgenutzt bleibt. Auf den Marktverkehr angewandt,
bedeutet das: Die Nachfrage nach Waren sinkt im Vergleich zum
Angebot, die Preise fallen, auf die Währungseinheit des Geldes
entfällt beim Umtausch ein größerer Teil des Sozialprodukts; mög-
licherweise geht — infolge der privatwirtschaftlich ungleichen Ab-
nahme des Geldangebots — die Nachfrage nach einzelnen Waren so
stark zurück, daß ein Teil des Gütervorrats überhaupt nicht abgesetzt
werden kann, daß die Folge der Hortung eine „Geldkrise“ ist. — Die
weitere Folge sind dann die Versuche, die geschilderten Störungen
des Wirtschaftsverkehrs zu beseitigen, indem man das Mißverhältnis
von „Geldstrom und Güterstrom“ (Fisher) wieder ausgleicht. Da
bestehen nun zwei Möglichkeiten. Entweder die Horte entleeren
sich wieder, wozu der erwähnte Preissturz den Anreiz bildet: „Die
Schätze erscheinen so als Zufuhr- und Abzugskanäle des’ zirku-
lierenden Geldes, so daß immer nur das durch die unmittelbaren
Bedürfnisse der Zirkulation selbst bedingte Quantum Geld als
Münze zirkuliert“ (Marx, Kritik, S. 136). Oder aber das im Um-