Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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Die  Besorgung  der  grossen  Geldgeschäfte  von  politischer  Bedeutung ­
  war  längst  an  die  Augsburger  übergegangen,  unter
denen  seit  1496  auch  die  Brüder  Hans  und  Franz  Paumgartner
her  vor  treten,  wie  wir  dies  oben  eingehend  schilderten.  Die
Kufsteiner  Firma  aber  verwandelte  sich  immer  mehr  in  ein
Bergwerksunternehmen,  während  der  Handel  zurücktrat.  Bis
zum  Jahre  1503  war  Hans  Knoll  Leiter  des  Geschäfts,  dann
wird  1507  Benedikt  Katzböck  als  Inhaber  desselben  genannt.
Im  Jahre  1510  finden  wir  den  letzten  auf  die  Firma  bezüglichen
Eintrag  in  den  Tiroler  Kopialbüchern.
Hans  Baumgartner  von  Kufstein  hinterliess  vier  Söhne:
Wolfgang 1 ),  Martin,  Hans 1 )  und  Leonhard,  von  denen  uns  besonders ­
  noch  das  Schicksal  Martins  interessiert,  dem  auch  in  der
„Allgemeinen  Deutschen  Biographie“  ein  Artikel  gewidmet  ist 2 ).
Archivalische  Quellen  ermöglichen  es,  noch  weitere  Nachrichten
über  Martin  Baumgartners  spätere  Lebensschicksale  mitzuteilen,
über  die  der  genannte  Artikel  wenig  zu  berichten  weiss.
Martin  Baumgartner,  geboren  im  Jahre  1473,  war  beim
Tode  des  Vaters  20  Jahre  alt.  Ueber  seine  Beteiligung  am
väterlichen  Geschäft  hören  wir  nichts.  Vielmehr  hatte  er  sich
bereits  damals  den  Beruf  eines  Gewerken  erwählt.  Er  baute
seit  1494  in  Rattenberg  und  begann  dann  auch  zu  Schwaz.  Im
Jahre  des  Landshuter  Erbfolgekriegs  (1504)  stand  er  auf  der
Seite  Maximilians  und  brachte  auch  materielle  Opfer  bis  zum
Betrag  von  8000  fl 3 ).  Sein  Haus  am  Inn  wurde  bei  der  Beschiessung
  Kufsteins  geschädigt.  Im  Jahre  1507/08  unternahm  er
eine  Pilgerreise  nach  Palästina,  deren  Beschreibung  gedruckt
b  Diese  Hans  und  Wolfgang  Baumgartner  scheinen  identisch
zu  sein  mit  den  in  Acta  nationis  Germanicae  universitatis  Bononiensis
ed.  Ernst  Friedländer  et  Karl  Malagola  Berlin  1887  S.  256  (Zeile  39)
u.  S.  268  (Zeile  33)  genannten  Personen.  Danach  wäre  Hans  im  Jahre
1500  in  Bologna  als  Student  gestorben  u.  Wolfgang  im  Jahre  1507  in
Pavia  an  der  Pest.  Letzterer,  der  sich  wohl  nicht  Studien  halber  in
Bologna  aufhielt,  ist  wohl  identisch  mit  jenem  Juristen  Wolfgang  B.,
der  von  1494  bis  1498  in  Ingolstadt  Professor  war.  (Mederei:  Annales
  Ingolstadensis  Academiae  I  46.)
2 )  Bd.  II  S.  160.
3 )  Der  gleich  zu  erwähnenden  Beschreibung  seiner  Pilgerreise  ins
Heilige  Land,  hrsg.  v.  Donauer,  ist  eine  Biographie  und  Selbstbiographie ­
  Martin  Baumgartners  beigegeben,  der  ich  diese  Daten  entnehme. ­
  Vgl.  auch  wegen  der  Beschädigung  seines  Hauses  Geschäft
v.  Hof  (1507)  fol.  4.
            
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