Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

9

129

völligen  Zusammenbruch  zeigen  die  Copialbücher  von  1526.
Sein  Haus  in  Kufstein  —  ein  stattliches  Patrizierhaus  mit
50  Gemächern,  das  aber  die  Spuren  der  Verwahrlosung  an  sich
trug  —  war  einem  gewissen  Dionysius  Praun  und  der  Stadt
Kufstein  verschrieben  wegen  30  fl  Zins,  die  er  nicht  bezahlen
konnte 1 ).  „Er  war  in  solcher  Armut  und  Elend,  dass  er  weiter
gar  kein  Unterhaltung  und  Nahrung  hatte."  Dazu  kamen
Bedrängnisse,  die  er  wegen  seines  religiösen  Bekenntnisses  zu
erleiden  hatte.  Er  schloss  sich  nämlich  der  Reformation  an
und  liess  in  der  ihm  gehörigen  Kapelle  zu  Kufstein  den  Priester
Wolfgang  Ochsenhauser  die  neue  Lehre  verkünden 2 ).  Mehrmals ­
  verwarnte  ihn  die  Regierung  in  Innsbruck  und  forderte
die  Abschaffung  dieser  Neuerungen.  Ochsenhauser  verliess
dann  zwar  Kufstein,  Baumgartner  aber  blieb  seinem  Bekenntnis
treu.  Im  Jahre  1528  sandte  ihm  Luther  selbst  einen  Trostbrief 3 ).
Die  Regierung  sah  mit  Bedauern  diesen  vollen  Bankrott
Baumgartners,  „da  er  ein  tüchtiger  Bergmann  war  und  nicht
leichtsinnig  spekuliert  hatte.“  Der  Uebergang  des  Tiroler  Bergbaus ­
  in  die  Hände  der  Augsburger  wurde  für  ihn  zum  Verderben. ­
  Der  kleine  Unternehmer  konnte  sich  gegen  diese
hinanzleute  nicht  behaupten.  Die  Regierung  verschaffte  ihm
ein  kleines  Amt,  aus  dem  er  seinen  Lebensunterhalt  gewann 4 ).
Seine  Bergwerke  in  Luenz  baute  er  weiter,  der  Ertrag  war
jedoch  den  Gläubigern  verschrieben.  Jahrelang  (1528  bis  1532)
führte  er  mit  diesen  Prozesse,  jedoch  ohne  Erfolg.  Zuletzt
musste  er  sogar  sein  Wohnhaus  in  Kufstein  verlassen.  Er
starb  im  Jahre  1535  zu  Kufstein  und  wurde  dort  in  der  von
seiner  Familie  gestifteten  Kapelle  begraben.

beteiligen.  Die  Bergwerke  Martin  Baumgartners  hatten  sie  zunächst
nur  verwesungsweise  inne.
9  Missiv  an  Hof  (1526)  fol.  64.
2 )  J.  Loser  th:  Der  Anabaptismus  in  Tirol  (in:  Archiv  für  österr.
Geschichte  Bd.  78  (1892)  S.  425  ff.).
3 )  Dr.  Martin  Luthers  Briefwechsel,  bearb.  u.  mit  Anmerkungen  versehen ­
  von  Ernst  Ludwig  Enders  6.  Bd.  Calw  und  Stuttgart  1895  S.  383.
4 )  Missiv  an  Hof  (1,326)  fol.  71.  Hier  wird  von  Baumgartners
bergmännischer  Tüchtigkeit  gesprochen  und  auch  erwähnt,  dass  geschickte ­
  „Bergwerkspersonen“  wenig  mehr  vorhanden  seien.  Baumgartner ­
  erhielt  dann  das  oberste  Bergmeisteramt  mit  jährlich  100  fl
Dienstgeld.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.