Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

Einer  seiner  Brüder,  Leonhard,  hatte  sein  Glück  besser  zu
machen  verstanden.  Er  legte  sein  Vermögen  in  Grundbesitz
an  und  erwarb  die  in  Niederbayern  gelegene  Herrschaft  Stubenberg ­
  und  das  im  Pflegamt  Aibling  liegende  Höhenrain  und
wurde  damit  der  Stammvater  der  Baumgartner  von  Stubenberg ­
  und  Höhenrain 1 ).  Diese  Linie  fiel  später  zusammen  mit
der  Wasserburger  Linie  der  Baumgartner  von  Frauenstein-Ering.

Wie  die  Baumgartner  von  Kufstein,  sind  auch  ihre  Vettern
in  Wasserburg  bürgerlicher  Herkunft.  Die  genauen  verwandtschaftlichen ­
  Beziehungen  lassen  sich  aber  nicht  mehr  feststellen. ­
  Ueberhaupt  macht  die  Aufstellung  einer  völlig  gesicherten ­
  Genealogie  bei  der  Gleichheit  der  Vornamen  grosse
Schwierigkeit 2 ).  Im  folgenden  kann  es  daher  nur  unsere  Aufgabe ­
  sein,  kurz  zusammenzustellen,  was  sich  aus  dem  urkundlichen ­
  Material  an  Tatsachen  ergibt,  und  die  Glieder  der  Familie,
die  bedeutsamer  hervorgetreten  sind,  kurz  zu  charakterisieren.
Um  das  Jahr  1440  lebte  in  Wasserburg  ein';  Bürger  Peter
Baumgartner 3 ),  der  Getreidehandel  trieb  und  sich  auch  an  der
Salzgewinnung  in  Reichenhall  beteiligte 4 ).  Näheres  über  ihn
lässt  sich  nicht  feststellen,  da  die  erhaltenen  Urkunden  weiteren
Aufschluss  nicht  geben.  Peter  Baumgartner  starb  im  Jahre
1477  und  hinterliess  drei  Söhne:  Peter,  Johann  und  Wolfgang,
sowie  mehrere  Töchter.
Peter  Baumgartner  d.  J.  widmete  sich  dem  Studium  der  Jurisprudenz ­
  und  gehörte  seit  1478  der  neuen  Universität  Ingolstadt
als  Professor  des  kanonischen  Rechts  an.  Zweimal,  in  den
Jahren  1479  und  1482,  bekleidete  er  das  Rektorat 5 ).  Er  wurde
*)  Oberbayrisches  Archiv  f.  vaterländische  Geschichte  II  fol.  342  ff.
u.  VII  fol.  243,  261  u.  VIII  f.  162  ff.
2 )  Besonders  der  Vorname  Wolfgang  war  in  der  Familie  häufig.
3 )  Nach  Otto  Titan  v.  Heiners  Bayerischem  Antiquarius  I
S.  182  wäre  Peter  Baumgartner  als  armer  Weberknappe  aus  Voldepp
in  Tirol  nach  Wasserburg  eingewandert.  Leider  gibt  Hefner  für  diese
Behauptung  keine  Quelle  an.  In  Wasserburg  soll  Baumgartner  dann
durch  Auffinden  eines  grossen  Schatzes  im  Keller  seines  Hauses  reich
geworden  sein.  (H  e  f  n  e  r  a.  a.  O.)  In  Kufstein  war  Peter  Baumgartner,
wie  Hefner  fälschlich  angibt,  nie  ansässig.
4 )  München,  Reichsarchiv:  Gerichtsurkunden  v.  Reichenhall
Fasz.  30  Nr.  386  u.  391.
5 )  Rotmarus-Mederer:  Annales  Academiae  Ingolstadtensis
I  13,  17  u.  67.
            
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