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Weltanschauung.
lichen Urteils. Das wissenschaftliche Urteil geht über den
Einzelnen hinweg, sucht das mehreren Einzelnen Gemeinsame,
faßt dieses in einen Begriff, stellt das gegenseitige Verhältnis
der zahlreichen, auf diese Weise gewonnenen Begriffe zu einander
fest und steigt auf diesem Wege vom Individuum auf zur Er⸗
kenntnis der allgemeinen, in den Individuen verlaufenden
Strömungen.
Freilich: lassen sich diese Strömungen, selbst wenn sie
nicht singulär sind, sondern sich ihrem innersten Wesen nach
in den Vorgängen parallel laufender nationaler Entwicklungen
wiederholen, so daß das ihnen Gemeinsame als Grundtendenz
und tiefste Regel vergleichend festgestellt werden kann: — lassen
sie sich genau darstellen? Es ist dasselbe Problem, das sich,
nur in viel einfacheren Formen, in der Mechanik ergiebt, wenn
es darauf ankommt, den Verlauf einer Bewegung in dem
ganzen Charakter ihres kontinuierlichen Zusammenhanges zu
beschreiben. Schon das ist bekanntlich nicht möglich. An Stelle
des kontinuierlichen Zusammenhanges gelingt es nur, die ein—
zelnen, wenn auch minimal voneinander entfernten Momente
der Bewegung zu erfassen und zu beschreiben: die Bewegung
wird in einzelne Beharrungszustände zerlegt und deren gegen⸗
seitiges Verhältnis zu einander vergleichsweise festgestellt. Um
wie viel schwerer ist es da, das Kontinuierliche eines großen
geschichtlichen Verlaufes, z. B. etwa der Bewegung des Im—
pressionismus, darzustellen! Auch hier bleibt nichts übrig, als
den ununterbrochen flutenden Zusammenhang in Einzelmomente
leisesten gradmäßigen Fortschreitens aufzulösen und so zu zeigen,
wie die Entwicklung von dem einen, an sich im Verhältnis
zur Gesamtentwicklung auch bloß graduellen, polaren Gegensatz,
z. B. von den ersten ganz naturalistischen Anfängen des
physiologischen Impressionismus, zu dem anderen polaren
Ende, z. B. zu den jüngsten Erscheinungen des idealistischen
psychologischen Impressionismus, fortschreitet. Wie aber sollen
die unendlich feinen Übergänge, die zwischen diesen polaren
Gegensätzen liegen, nun sämtlich klar beschrieben und an—
schaulich greifbar gemacht werden? Es versuchen hieße das Leben