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9. November 1528 in Wien einen grossen Vertrag mit der Han
delsgesellschaft Bimmel-Herwart abgeschlossen und ihr für
ein Darlehen von 90 000 fl 60 000 M Silber verkauft. In den
Jahren 1534 bis 1536 sollten die genannten Kaufleute je 20000 M
erhalten. Doch hatte sich der König für die nächsten drei
Jahre (vom 1. Januar 1529 ab gerechnet) eine eventuelle Rück
gängigmachung dieses Abkommens in der Weise Vorbehalten,
dass er versprach, im Fall der Ablösung den Kaufleuten für jede
Mark im ersten Jahr 12 kr (also zusammen für die 60 000 M
12 000 fl), im zweiten Jahr 15 kr (zusammen 15 000 fl) und im
dritten Jahr 20 kr (zusammen 20 000 fl) zu bezahlen. Anton
Fugger und Hans Paumgartner lag alles daran, Bimmel in
Tirol nicht zu mächtig werden zu lassen, und sie erboten sich
daher, die genannte Firma abzulösen, um ihrerseits in den
Besitz des Silbers zu kommen. Da sie ausserdem noch 12 000 fl
mehr bewilligten, so war die Regierung mit ihrem Vorschlag
einverstanden; doch verlangten Fugger und Paumgartner
ausdrücklich, dass die Ablösung im Namen der Regierung
geschehe. Sie wollten nämlich nicht in den Verdacht kommen,
als hätten sie an der Verdrängung der Bimmel mitgewirkt.
Die letzteren wollten nun zwar von einer Wiedereinlösung des
Vertrags nichts wissen, mussten sich aber schliesslich doch darein
fügen, worauf am 1. Juni 1531 unter Zustimmung Ferdinands
der Vertrag zugunsten der Fugger und Paumgartners rück
gängig gemacht wurde, indem letztere die Ablösungssumme
von 15 000 fl bezahlten.
Der Reichstag in Augsburg im Jahre 1530 wurde von der
Tiroler Regierung bzw. ihren Abgesandten Johann Löble 1 ) und
Andreas Teubler zu Finanzgeschäften mit den Kaufleuten
benützt. Obwohl Fugger und Paumgartner am 17. Januar 1530
erst 30 000 fl dargeliehen, traten jene Vertreter der Tiroler
Kammer jetzt mit neuen Forderungen an sie heran 2 ). Paum
gartner wollte sich zunächst auf weitere Darlehen nicht ein
lassen und wies auf die grossen, in der jüngsten Zeit abge
schlossenen Verträge hin. Schliesslich verstand er sich doch
1 ) Johann Löble, der uns öfter als Gesandter in Geldange
legenheiten begegnet, war Reichsschatzmeister und mit einer Tochter
Philipp Adlers vermählt. (Roth: Augsb. Reformationsgesch. II S. 148
m. Anm.)
2 ) Entbieten u. Befehl (1530) fol. 33.