Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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So  setzten  sich  die  neuaufstrebenden  Kaufherrn  in  den
Besitz  der  Güter  alteingesessener  absterbender  Familien.  Neue
Geschlechter  kamen  empor,  während  die  alten,  die  sich  in  die
neue  Zeit  nicht  schicken  konnten,  untergingen.  Die  Güterpolitik
Paumgartners  bringt  uns  noch  einen  interessanten  Beleg  für
diese  Art  von  Besitzwechsel.
Am  Fuss  der  Alpen,  unweit  von  Füssen,  waltete  seit  Jahrhunderten ­
  das  stolze  Geschlecht  der  Schwangauer,  das  manchen
tapferen  Ritter  und  edlen  Minnesinger  hervorgebracht  hatte.
Jetzt  war  dies  Geschlecht  am  Erlöschen 1 ).  Um  das  Jahr  1530
geboten  Heinrich  und  Georg  von  Schwangau  auf  den  herrlichen
Schlössern  Hohenschwangau  und  Schwanenstein.  Nur  der
eine  der  beiden  schon  betagten  Brüder  —  Georg  —  war  vermählt, ­
  aber  kinderlos  geblieben 2 ).  Schon  längst  hatten  sich
Interessenten  für  das  sich  in  naher  Zukunft  erledigende  Reichslehen ­
  gefunden.  Ferdinand  selbst  hatte  die  Schlösser  einmal
besichtigen  lassen,  aber  aus  Geldmangel  musste  er  von  dem
Kauf  abstehen.  Jetzt  richtete  Hans  Paumgartner  sein  Augen-,
  merk  auf  dieses  Kleinod  landschaftlicher  Schönheit.  Wenn
ihm  diese  glänzende  Erwerbung  gelang,  dann  stand  er  in  nichts
mehr  hinter  den  Fuggern  zurück.  Noch  zu  Lebzeiten  der  beiden
Schwangauer  begann  er  die  Unterhandlungen.  Der  mit  Paumgartner ­
  befreundete  kaiserliche  Rat  und  Schatzmeister  der
Regentin  Maria  in  den  Niederlanden,  Wolfgang  Haller,  erhielt
in  einer  Urkunde  (Saragossa,  16.  Januar  1534)  von  Karl  V.  die
Anwartschaft  auf  das  Reichslehen  Hohenschwangau  im  Falle
des  Ablebens  der  Inhaber.  Später  genehmigte  der  Kaiser
(Madrid,  18.  Februar  1535)  sogar,  dass  die  Schwangauer  selbst
noch  bei  ihren  Lebzeiten  das  Lehen  an  Haller  abtreten  dürften 3 ).
Am  3.  Juli  1535  stellten  hierauf  diese  zugunsten  Hallers  eine  Verzichturkunde ­
  auf  das  Lehen  aus.  Paumgartner  hatte  aber
Zott  von  Beineck  war  mit  Paumgartner  wohlbekannt,  da  er  öfter  im
Auftrag  Ferdinands  nach  Augsburg  kam,  um  mit  den  Kaufleuten  wegen
Darlehen  zu  verhandeln.
*)  Zum  Folgenden  vgl.:  Karl  August  Muffat:  Beschreibung  u.
Geschichte  des  Schlosses  u.  der  ehern.  Reichsherrschaft  Hohenschwangau,
München  1837,  u.  Joseph  Frhr.  v.  Hormayt:  Die  goldene  Chronik
von  Hohenschwangau,  München  1842.
*)  Georg  v.  Hohenschwangau  war  vermählt  mit  Johanna  v.  Argon,
wohl  einer  Schwester  des  obengenannten  Georg  v.  Argon.
3 )  Familienkodex  fol.  159  a—160  b.
            
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