Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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Geistlichkeit  das  Papsttum  in  der  Stadt  ausrottete  und  den
katholischen  Kultus  verbot,  musste  dies  den  streng  katholischen
Paumgartner  besonders  erbittern.  Er  hielt  sich  seitdem  häufig
von  der  Stadt  fern,  begab  sich  an  den  Hof  des  Kaisers  oder
lebte  auf  seinen  Schlössern.  Sein  Bestreben  ging  dahin,  dem
Katholizismus  und  der  kaiserlichen  Partei  in  Augsburg  wieder
zum  Siege  zu  verhelfen.  In  diesem  Sinne  griff  er  seit  dem
Jahre  1539  aktiv  in  die  Politik  ein.
In  der  Periode  von  1530  bis  .1544  suchten  Karl  V.  und
Ferdinand  auf  friedlichem  Wege  die  Parteien  wieder  zu  vereinigen ­
  und  die  Protestanten  zur  alten  Lehre  zurückzuführen.
Das  Konzil  und  die  in  Deutschland  abgehaltenen  Religionsgespräche ­
  zu  Hagenau,  Worms  und  Regensburg  sind  verschiedene ­
  Versuche  gewesen,  eine  solche  friedliche  Einigung
zu  erzielen.  Auch  mit  Augsburg  stand  der  Minister  Karls  V.,
Granvella,  in  Unterhandlungen,  die  in  seinem  Namen  Hans
Paumgartner  führte 1 ).  Dieser  suchte  den  ihm  befreundeten
Bürgermeister  Wolfgang  Rehlinger  für  sich  zu  gewinnen,  der
seit  1533  die  Fäden  der  städtischen  Politik  in  seiner  Hand
vereinigte 1 ).  Obwohl  Lutheraner,  glaubte  Rehlinger  doch  eine
kaiserfreundliche  Politik  treiben  zu  können.  Seine  dahingehenden ­
  Bestrebungen  fanden  aber  in  der  Stadt,  die  seit  1536
dem  Schmalkaldischen  Bund  angehörte,  keinen  Anklang  und
man  verübelte  ihm  besonders  seine  häufigen  Unterredungen
mit  Paumgartner,  in  dem  man  schon  längst  einen  Feind  und
Verräter  der  städtischen  Interessen  zu  sehen  glaubte.  Paumgartner ­
  berichtete  über  die  mit  Rehlinger  geführten  Unterhandlungen ­
  im  Jahre  1540  mehrmals  an  Granvella  und  an  den
an  Heids  Stelle  getretenen  Vizekanzler  Karls  V.,  Johann
von  Weeze,  Erzbischof  von  Lund.  Karl  V.  sandte  dann  Paumgartners
  Berichte  an  seinen  Bruder  Ferdinand  zur  Begutachtung ­
 2 ).  Dieser,  der  die  Beziehungen  des  Kaufmanns  zu
Frankreich  kannte,  zweifelte,  wohl  ohne  Grund,  an  Paumgartners
  Aufrichtigkeit  und  seiner  katholischen  Gesinnung

*)  Roth  a.  a.  O.  III  S.  20.  Ueber  Wolfgang  Rehlinger  vgl.
Roth  II  S.  150  ff.  und  III  S.  45  ff.
2 )  Nuntiaturberichte  aus  Deutschland  nebst  ergänzenden  Aktenstücken ­
  1.  Abt.  5.U.  6.Bd.,  im  Aufträge  des  Kgl.  PreussischenHistorischen
Instituts  in  Rom  bearb.  v.  Ludwig  Cardauns,  Bd.  6  S.  320,  326,
328  ff.  und  Einleitung  S.  XC  Anm.  3.
            
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