Full text: Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

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i) Weltr. 108. — 2) Weltr. 109. — 8 ) Vgl. Onck. 359. 
streben.« 1 ) Ferner, man könne »nicht zu einer großen Ver 
vollkommnung des Ackerbaues gelangen, ohne auch in 
andern Dingen schon weit zu sein«. 1 ) Es liege ganz in der 
Natur der Sache, daß sogar beim niederen Stande der 
Ackerbaukultur ziemlich hochentwickeltes Gewerbe getrieben 
werde. Und es wäre »ein Exzeß des Agrikultursystems«, 
darauf hinzustreben, daß man »im Ackerbau schon ins Feine 
gehe, während man in anderen Dingen noch im Groben ist«. 1 ) 
Aus diesen Einwänden Kankrins gegen das Agri 
kultursystem geht nun hervor, dass er sich dasselbe so 
vorgestellt haben muss, als ob es überhaupt nur Ackerbau 
nebst den sogenannten »produktiven Arbeiten der ersten 
Klasse«, wie Bergbau, Fischerei etc. anerkenne und keine 
Industrie und Aktivhandel dulde. Es ist ohne weiteres 
klar, dass solch ein von Kankrin hier gemeintes »Agrikultur 
system« nur als Missverständnis bezeichnet werden kann. 
Kankrin selbst scheint etwas davon geahnt zu haben, wenn 
er sagt, dass auch die Physiokraten dieses »Agrikultur 
system« nicht »ausschliesslich begünstigt« hätten 2 ). Doch 
legt er mit derselben Äusserung gleichzeitig auch das Zeug 
nis dafür ab, dass sie eben einem solchen »System«, wenn 
auch nicht »ausschliesslich«, so doch im allgemeinen ge 
huldigt hätten. Das trifft aber nicht zu. Wenn Francois 
Quesnay, der Schöpfer des Physiokratismus, den Ackerbau 
als »la source de toutes les richesses de l’etat« betrachtet 
und Flandel und Industrie nur als »dependance de l’agri- 
culture« hinstellt, so will er damit tatsächlich die Industrie 
und den Handel noch gar nicht abgeschafft wissen 3 ), obwohl 
dieselben sich selbst überlassen bleiben sollen und nur 
der Ackerbau zu begünstigen sei. An anderen Stellen des 
»Weltreichtum«, wo Kankrin auf die Physiokraten gelegent 
lich zu sprechen kommt, tritt er ihnen ebenso ablehnend 
entgegen, so z. B. in der Produktivitätsfrage. Und wenn 
er dort dem auch zustimmt, dass »sich alles auf das Pro
	        
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