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i) Weltr. 108. — 2) Weltr. 109. — 8 ) Vgl. Onck. 359.
streben.« 1 ) Ferner, man könne »nicht zu einer großen Ver
vollkommnung des Ackerbaues gelangen, ohne auch in
andern Dingen schon weit zu sein«. 1 ) Es liege ganz in der
Natur der Sache, daß sogar beim niederen Stande der
Ackerbaukultur ziemlich hochentwickeltes Gewerbe getrieben
werde. Und es wäre »ein Exzeß des Agrikultursystems«,
darauf hinzustreben, daß man »im Ackerbau schon ins Feine
gehe, während man in anderen Dingen noch im Groben ist«. 1 )
Aus diesen Einwänden Kankrins gegen das Agri
kultursystem geht nun hervor, dass er sich dasselbe so
vorgestellt haben muss, als ob es überhaupt nur Ackerbau
nebst den sogenannten »produktiven Arbeiten der ersten
Klasse«, wie Bergbau, Fischerei etc. anerkenne und keine
Industrie und Aktivhandel dulde. Es ist ohne weiteres
klar, dass solch ein von Kankrin hier gemeintes »Agrikultur
system« nur als Missverständnis bezeichnet werden kann.
Kankrin selbst scheint etwas davon geahnt zu haben, wenn
er sagt, dass auch die Physiokraten dieses »Agrikultur
system« nicht »ausschliesslich begünstigt« hätten 2 ). Doch
legt er mit derselben Äusserung gleichzeitig auch das Zeug
nis dafür ab, dass sie eben einem solchen »System«, wenn
auch nicht »ausschliesslich«, so doch im allgemeinen ge
huldigt hätten. Das trifft aber nicht zu. Wenn Francois
Quesnay, der Schöpfer des Physiokratismus, den Ackerbau
als »la source de toutes les richesses de l’etat« betrachtet
und Flandel und Industrie nur als »dependance de l’agri-
culture« hinstellt, so will er damit tatsächlich die Industrie
und den Handel noch gar nicht abgeschafft wissen 3 ), obwohl
dieselben sich selbst überlassen bleiben sollen und nur
der Ackerbau zu begünstigen sei. An anderen Stellen des
»Weltreichtum«, wo Kankrin auf die Physiokraten gelegent
lich zu sprechen kommt, tritt er ihnen ebenso ablehnend
entgegen, so z. B. in der Produktivitätsfrage. Und wenn
er dort dem auch zustimmt, dass »sich alles auf das Pro