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ganzen Erde dienen« 1 ) definiert. Der Nationalreichtum da
gegen ist »der Grad des Anteils, den eine Nation am Welt
reichtum hat«. 1 ) Diese Zweiteilung des Reichtumsbegriffes,
mit welcher sich unser Autor A. Smith gegenüber so rühmt 2 )
und auf welche er so großes Gewicht zu legen scheint,
ist eben das Neue, mit dem er die nationalökonomische
Wissenschaft bereichert zu haben glaubt. 3 ) Diese Zwei
teilung nebst der schon oben erwähnten sog. »Produktion«
des Genies und der Privation, mit der er die Unzulänglich
keit der physiokratischen Lehre von der alleinigen Produk
tivität des Ackerbaues verbessert zu haben meint, 4 ) wird
wohl unserem Autor auch den Anlaß gegeben haben, sein
erstes Hauptwerk »Weltreichtum« mit dem Untertitel: »Ver
such neuer Ansichten der politischen Ökonomie« zu ver
sehen. Diesen seinen »neuen Ansichten« maß augenscheinlich
Kankrin eine sehr große Bedeutung bei. »Ganz verschieden
artige Systeme — sagt er diesbezüglich im Vorworte zum
»Weltreichtum« — fallen in eines zusammen, Widersprüche
heben sich auf, neue Ansichten gehen hervor«. 5 ) Allein
unser Autor hat sich in seinen Hoffnungen völlig getäuscht,
denn diese angeblich »neuen Ansichten« laufen nur auf alte
und zwar merkantilistische Gedanken aus.
Denn wie denkt sich Kankrin das Verhältnis zwischen
Weltreichtum und Nationalreichtum?
Der Nationalreichtum sucht sich nämlich zu vermehren
und möglichst größeren Anteil am Weltreichtum zu erlangen.
Und dies durch die, von Kankrin so genannte Privation
(im »Weltreichtum«) oder die »Produktion« des Raubes und
der Übervorteilung (in der »Ökonomie«), »Wenn nämlich —
sagt Kankrin — ein Volk Mittel findet, durch Genie, Speku
lationen, Handelsmonopole, Kolonialsysteme, wie Landgüter
behandelte Nebenvölker (Ostindien) zum Nachteil des billig
verdienten Anteils der betroffenen Völker an der Summe
1) Weltr. 2. — 2 ) Weltr. 1/2. — «) Vergl. Weltr. VIII. — 4 ) Weltr. 33.
'6) Weltr. VIII.