Full text: Das Geldwesen Frankreichs zur Zeit der ersten Revolution bis zum Ende der Papiergeldwährung

70 
II. DIE PAPIERGELDWXHRÜN6. 
heiten scheitern mußten. Noch weniger konnte einigermaßen 
genau der Nutzungswert festgestellt werden. 
Die meisten dieser Schätzungen stammen nämlich von 
Parlamentariern und werden von ihnen in ihren Gelegenheits 
reden in den Nationalversammlungen, bezw. im Konvente 
benützt. Sie wollen wohl auch wissenschaftlich nicht gerecht 
fertigt sein, sondern dienen nur publizistischen Zwecken. Sie 
sollen lediglich der Ausdruck sein für den ungeheuren Reich 
tum der Nation und der gewaltigen Gütermassen, auf denen 
die Assignaten hypotheziert seien. 
Aber auch die anderen Schätzungen, die wissenschaft 
lichen Wert für sich beanspruchen, sind nicht brauchbar, weil 
sie von Metallisten ausgehen.*) Sie sehen das Hartgeld als un 
veränderlichen Wertmesser an und glauben danach die „valeur 
reelle des immeubles alienes“ feststollen zu können für die 
ganze Periode der Papiergeldwährung. Tatsächlich bewährten 
aber doch gerade damals die Edelmetalle ihre Natur als Ware. 
Für unsere Betrachtung sind alle diese Berechnungen ohne 
wesentliche Bedeutung, da die Lehre von der Hypothezierung 
der Assignaten auf die Nationalgüter unseres Erachtens nicht 
zutrifft. 
Trotzdem ist diese Ansicht herrschend und wird nament 
lich von Historikern vertreten. Kein Geringerer als Thiers in 
seiner „Histoire de la rovolution franpaise“ vertritt sie. Sehr 
klar kommt sie bei ihm zum Ausdruck anläßlich der Besprechung 
der mandats territoriaux, die nur dem Namen nach von den 
Assignaten verschieden waren. Auch sie sollten auf die National 
güter hypothezierte Staatsnoten sein. Über sie schreibt er s ): 
’) So z. B. Ramel, 1. c., S. 36 ff. Er legt seinen Berechnungen die 
offiziellen Schätzungen, die durch Multiplikation des Wertes der jährlichen 
Nutzungen erhalten werden, zugrunde. — Er will außerdem durch Ad- 
dierung von Schätzungen aus verschiedenen Jahren den Wert der Güter 
für etwa 1 Jahrzehnt feststellen, während er bei der Unbeständigkeit der 
Verhältnisse höchstens für einen Moment festgestellt werden könnte. 
2 ) 13. Auflage Band 8, S. 109.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.