Full text: Graf Georg Kankrin in nationalökonomischer und finanzwirtschaftlicher Beziehung

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kommeneren Mitteln arbeitete, und wurde darum zum hem 
menden Faktor des industriellen Fortschrittes. Es hörte die 
Entwickelung der Industriezweige mit fronpflichtiger Arbeit 
nun auch wirklich auf. Da entstanden neue, nämlich die 
bäuerlichen Fabriken neben den fronpflichtig bedienten, 
welche vorwiegend auf die Befriedigung des Bedarfs der 
staatlichen Verwaltung berechnet waren. 
Schon in der zweiten Hälfte des XV11I. Jh. war das 
Hausgewerbe in Rußland unter den Bauern zu einiger Blüte 
gelangt. Die weitere Entwickelung des bäuerlichen Gewerbes 
wurde nun sowohl seitens der Regierung, als auch seitens 
der Fronherren begünstigt. Das lag in beider eigen 
stem Interesse. Und so konnten denn am Anfang des 
XIX. Jh. bereits bäuerliche Fabrikanten tätig sein. Aber auch 
noch etwas anderes wurde von wesentlicher Bedeutung für 
die Entwickelung der russischen Industrie. Mit der Zunahme 
der städtischen Bevölkerung und mit der teilweisen Ablösung 
des Frondienstes der Bauern durch Fronabgaben, besonders 
in den Industrie-Gegenden, stieg auch die Zahl der freien 
Arbeiter in den Fabriken. So betrug ihre Zahl am Anfang 
des XIX. Jh. insgesamt schon 48 % aller Fabrikarbeiter. 
Diese Zahl wuchs fortgesetzt, wenn auch nur sehr langsam. 
Um diesen Prozeß zu verdeutlichen, geben wir hier zwei 
statistische Daten wieder. 1 ) 
Jahreszahl 
Zahl der 
Gesamtzahl 
Davon freie 
Prozentsatz der 
Fabriken 
der Arbeiter 
Lohnarbeiter 
freien Lohnarbeiter 
1804 
2 423 
95 202 
45 625 
48% 
1825 
5 261 
210 568 
114 515 
54% 
Die Fabriken, die mit staatlicher Unterstützung ent 
standen waren und die für den Staat arbeiteten, gehörten 
zu den privilegierten Etablissements und bedienten sich fast 
ausschließlich fronpflichtiger Arbeit. Sie befanden sich 
i) Vgl. T.-Bar I. 85 u. 89.
	        
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