97
erhalten werden und erfordern die Arbeit nur einer Familie. In
der Schweiz bei einer intensiven Kultur können dagegen auf den
selben 20 Deßjätinen 40 Stück Vieh gefüttert werden, da der Bo
den gedüngt wird und während drei Viertel des Jahrs Stallfütte
rung eingeführt ist. Die Erhaltung dieser Viehmenge fordert aber
die Arbeit nicht von zwei Familien, wie es bei der extensiven
Wirtschaft wäre, sondern die Arbeit von fünf bis sechs Familien.
Die Arbeit wurde weniger produktiv, aber die um das drei- bis
vierfache vermehrte Bevölkerung sah sich gezwungen, eine inten
sivere Wirtschaft einzuführen. Denn, wenn früher eine Familie
20 Stück Vieh halten konnte, weil sie 20 Deßjätinen Land besaß,
so mußtenjetzt auf denselben 20 Deßjätinen fünf bis sechs Familien
ihren Unterhalt finden, von denen jede bei einer extensiven
Kultur nur drei bis vier Stück Vieh hätte füttern können, wäh
rend sie bei einer intensiven Kultur sechs bis acht Stück
halten kann. Die Arbeitsproduktivität sank mit der Verdichtung
der Bevölkerung und dem Übergang zur intensiven Kultur. Da
her wurde es vorteilhafter, eine intensive Kultur einzuführen,
weil sich das Gebiet im Verhältnis zur gesteigerten Bevölkerung
verkleinert hat.*)
Dadurch erklärt sich der allmähliche Übergang von der Vieh
zucht zur Viehzucht vereinigt mit Ackerbau und darauf auch zum
Ackerbau vereinigt mit Viehzucht. Die Produktion von Getreide,
sowie die Gewinnung von Pflanzennahrung überhaupt dehnte sich
immer mehr auf Kosten der Viehzucht aus.
So treibt eine isolierte Wirtschaft, von dem Prinzip der Kraft
ersparnis ausgehend, diejenige Kultur (Jagd, Viehzucht, exten
siven oder intensiven Ackerbau), die unter den gegebenen Ver
hältnissen (gemäß dem Grad der Bevölkerungsdichte) am zweck
mäßigsten erscheint. In gewissem Umfang läßt sich dieselbe
Tendenz auch in der Tauschwirtschaft wahrnehmen. Daher be
treibt der Chinese mit seinen primitivsten Werkzeugen dieselbe
*) Die Arbeitsproduktivität in der Landwirtschaft ist im Laute der
Zeit gestiegen, trotz des Überganges zur intensiveren Kultur, aber
dank dem technischen Fortschritt. Siehe darüber mein Werk:
„Die Agrarfrage“ (russisch).
Mas slow. Die Theorie d. Volkswirlsch.
7