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Adler unter dem Titel „Lehrbuch der Socialwissenschaft ,
München 1866, 2. Aufl. Wien 1870; die andere von Stöpel als
„Socialökonomie”, Berlin 1866), sondern voranlasste auch Ueber-
tragungen ins Ungarische und Russische. Auch mehrere der
kleineren Schriften wurden ins Deutsche übersetzt; es mag
jedoch bei der Nennung der „Briefe über schriftstellerisches
Eigenthum” (Berlin 1866) sein Bewenden haben, üebiigeus
sind die Schriften Careys zu verschiedenen Theilen in acht
Sprachen vorhanden. Von dem ursprünglichen Hauptwerk
(von 1837) hat der Italienische Nationalökonom und nachmalige
Finanzminister Ferrara in seiner Sammlung eine Italienische
Uebersetzung gegeben. Das zweite Hauptwerk ist sogar in
einer dem Guillauminschen Verlage angehörigen Uebersetzung
vorhanden, d. h. selbst in der Machtsphäre der Französischen
Schulökonomie zum Erscheinen gelangt.
Die Anerkennung, welche Carey grade bei dem Deutschen
Publicum so ausgiebig gefunden hat, ist in erster Linie auf
die Verbindung der Originalität mit einer bisher unbekannten
Anschaulichkeit zurückzuführen. Sie ist aber auch insofern
eine vollkommen verdiente, als der Nationalökonom von Phila
delphia schon 1848 die Rolle Deutschlands sympathisirend yor-
aussagte und in dem Werk von 1858 auch über unsern geisti
gen Beruf den Ausspruch that, dass die Deutschen einst
vollständig die Beherrscher der intellectuellen Bewegungen er
Welt werden würden. Vergleicht man hiemit die Thatsac e,
dass die fremden volkswirthschaftlichen Grössen dieses a r
hunderts sonst sämmtlich theoretisch von uns keine otiz
nommen, praktisch aber unserm Wesen in ihrer Anse auungs
weise nur egoistisch und feindlich gegenübergetreten sin , wie
es die Haltung der Politik ihrer Länder mit sich brachte, so
dürfte es wohl jetzt wenig am Platze sein, den bei uns äugen
blicklich höchst gemein gewordenen Patriotismus gegen le
Deutschen Vertheidiger von Careys wissenschaftlicher Bedeu
tung in das Feld zu führen. Wenn den ökonomischen Nestor
zu Philadelphia in dieser Gattung irgend ein Vorwurf troffen
soll, so könnte es nur der sein, in einer an Tacitus Germanen
rornantik erinnernden Art und Weise unsere Deutschen u-
stände idealisirt zu haben und namentlich auch die neusten
Vorgänge nationalistisch zu überschätzen.
Was die innern Gründe anbetrifft, so ist der Standpunkt