finden, oder ob wir uns darauf beschränken können, zu
untersuchen, inwiefern dieses neue Phänomen zwischen
die Fugen des alten Gesetzes hineinpasst. Vor allem ist
festzustellen, dass die Amortisation der Aktien nicht eine
Verteilung vom Reingewinn sein kann, keine Dividende
ist, da Amortisation und Reingewinn einander entgegengesetzte
Begriffe sind 1 * ). Die Frage, ob es sich hier um eine
Verteilung vom Reingewinn oder um Rückzahlung der Einlagen
handelt, ist von grösstem Interesse; je nachdem man.
das eine oder das andere verneint, verändert sich natürlich
die Höhe des Reingewinnes 3 ). Wenn angenommen wird, es
handle sich um eine Verteilung von Reingewinn, einer Extradividende,
so werden diese Beträge als solche behandelt
werden müssen, sie würden infolgedessen dem Nutzniesser
und nicht dem Eigentümer zufallen. Ähnliche Verhältnisse
liegen im ehelichen Güterrecht vor, z. B. bei der Güterverbindung
etc., eine Konsequenz, die von niemandem gewollt
ist, und in direktem Widerspruche steht mit der Überlegung,
aus welcher die Genussscheine entstanden sind 8 ).
Bevor wir auf die Sache selbst eintreten, ist es notwendig,
die verschiedenen Begriffe, die unter dem Ausdrucke
Amortisation verstanden werden, auseinanderzuhalten.
Amortisation bedeutet zuerst einmal Tilgung einer
Schuld, Avomit sich oft die Idee einer Tilgung in Raten
verbindet 4 ). Jedes Kapital ist im Prinzip der Veränderung
und der Verminderung unterworfen. Es ist daher eine
dringende Nottvendigkeit, um die Gesellschaft vor dem
Untergange zu bewahren und ihr eine gewisse Beständigkeit
zu verleihen, dass die verschiedenen Elemente, die
das Kapital bilden, stets auf dem gleichen Stande gehalten
Averden, dass ihr Wertverlust ausgeglichen wird, und zwar
*) Pliquet, 1. c-, 31; Valery, Rev. gen. 1904, 135; Bouvier Banguilion,
1. c., 404; Ripert, 1. c., 375; Perroud, 1. c., 439.
’ J ) VaKry, Rev. g6n. 1907, 113.
3 ) Ripert, 1. c., 372.
4 ) Thaller, Ann. d. dr. com. 1895, 249.