Full text: Die private Volksunfallversicherung in Deutschland

26 
Geschäftsbericht für das Jahr 1899 der Mangel an größeren 
Mitteln für die Einrichtung einer geeigneten Organisation 
angeführt. Unstreitig hat dieser Grund mitgewirkt. In erster 
Linie sind die Gründe aber in der Einrichtung selbst zu suchen. 
Es zeigte sich, daß ein auf das Todesfallrisiko beschränkter 
Versicherungsschutz von vornherein einen zu engen Fassungs 
bereich besitzt, da nur ein kleiner Teil des zu deckenden ge 
samten Unfallversicherungs-Bedürfnisses befriedigt wird. Eine 
derartige Versicherung kann allein keinen genügenden Anreiz 
für ihre Inanspruchnahme bilden. Verstärkt wird die daraus 
für die Verbreitung der Einrichtung entspringende Hemmung 
durch den Charakter der Unfallversicherung als reiner Risiko 
versicherung. Mit Ablauf der Zeit, für die die Versicherung 
genommen ist, ist auch die Prämie vollständig verbraucht. 
Eine Leistung unter allen Umständen bei Weiterzahlung 
der Prämie wie bei der Volks-Lebensversicherung tritt nicht 
ein. Die Fortsetzung einer einmal abgeschlossenen Versicherung 
hat somit allein auf die wirtschaftliche Einsicht sowie die 
moralische Festigkeit des Versicherten zu bauen. Nun liegt 
aber bei einer derartigen Risikoversicherung die Gefahr vor, daß 
leichter ein Versicherungskandidat für den ersten Abschluß 
zu gewinnen ist, als für die Wiederholung, wenn mehrere 
Jahre keinerlei für die Urteilsfähigkeit der breiten Massen 
ersichtliche Gegenleistung in Form bestimmter Entschädigungen 
vorliegt oder mit Sicherheit in Aussicht steht. Ist die Zahl 
der Todesopfer, welche die Unfälle alljährlich erfordern, absolut 
genommen, auch groß, so ist sie doch im Verhältnis zur Ge 
samtzahl der Bevölkerung gering und gelangt dem einzelnen 
trotz der Verbreitung der Presse nur in beschränkter Weise 
zur Kenntnis, so daß von einem lebhaften Bewußtsein der 
Gefahr und damit verbunden einem auf Befriedigung 
drängenden Versicherungsbedürfnis nicht gesprochen werden 
kann. Gewiß liegt das Bedürfnis vor. Aber nur latent und 
bedarf zu seiner Erweckung und Wachhaltung im Bewußtsein 
des einzelnen einer nachhaltigen Propagandatätigkeit durch 
unmittelbare Einwirkung seitens eines Vermittlers, der 
sich über den Gesichtskreis des einzelnen hinausgreifende 
statistische Zusammenstellungen und bestimmte Einzelfälle,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.