Object: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Stärkung des Massenwahnes zur Folge hatten. Selbst in 
‚ebenswichtigsten Dingen, wie z. B. in der Stellung zum 
Young-Plan, ist auf. Unternehmerseite eine gemeinsame 
Auffassung nur schwer zu erzielen, die Vorstellungen von 
„der Wirtschaft“ oder „der Industrie“ als 
zeschlossenen Körperschaften mit einheitlicher Meinungs- 
und Willensbildung bedürfen daher gewisser ' Einschrän- 
kungen, . 
Wie diese nicht ausreichende Geschlossenheit und diese 
Passivität sich ausgewirkt haben, zeigt wirtschaftlich die 
Tatsache, daß der Staat durch seine Steuern — Sympto- 
natisch ist die immer stärker in Erscheinung tretende Ver- 
lagerung des Steueraufkommens auf die Besitz- und Ver- 
kehrssteuerseite hin — und die . Arbeitnehmerschaft durch 
die Höhe der Löhne und die sozialen. Aufwendungen in 
steigendem Umfange zu stillen Teilhabern der 
Betriebe, und zwar sowohl der Industrie als auch des 
Mittelstandes geworden sind. Politisch wirken sich diese 
Dinge so aus, daß — um. bei einem äußeren Beispiel zu 
bleiben — im Reichstag die Zahl der Parlamentarier, die 
in ihrer grundsätzlichen Einstellung wirtschaftsfeindlich 
sind, die Zahl der den Wirtschaftsgedanken vertretenden 
Parlamentarier um das Mehrfache übersteigt, wobei 
besonders beachtlich ist, daß seit der Weimarer National- 
versammlung die Zahl der wirtschaftlichen Auffassungen 
nahestehenden Parlamentarier ständig. zurückge- 
gyangen ist. Diese Situation ist das Ergebnis einer 
Politik, die überhaupt keine Politik war, sondern nur 
Taktik, die von Anfang an den Willen zum Kompromiß 
in .sich schloß. 
Die Maiwahlen des Jahres 1928 waren, eine Quittung 
auf die nicht zuletzt auf Unternehmerseite zu ver- 
zeichnende Vernachlässigung des Weltanschaulichen: 
diese Vernachlässigung hat auch zu den immer wieder auf- 
tauchenden, mindestens zunächst noch zersplitternd wir- 
kenden Parteineugründungen geführt, die man sich hüten 
sollte, lediglich als rein materialistischen Zielen dienende 
Gebilde, als „Duerverbindungen‘“ usw. aufzufassen, 
die vielmehr‘ gerade bei dem idealistischen Teil der An- 
nänger dieser Parteien ein starkes Streben nach neuer 
Weltanschaulichkeit aufweisen. 
Alle diese Vorgänge ‚schließen eine sehr ernsthafte 
Mahnung. zur‘ Abkehr vom bisherigen Gewährenlassen in 
sich. . Wirtschaftlich muß diese in einer 
Abwendung vom reinen Materialismus und Hin- 
wendung zu einer weltanschaulichen Stellungnahme 
zu. den Ereignissen unserer Zeit zum Ausdruck kommen. 
Das gilt besonders. für die Kulturfragen, die das 
Unternehmertum bisher fast völlig vernachlässigt 
hat; trotzdem auf dem Weg über sie am ehesten eine Fini- 
gung politisch auseinanderstrebender Kreise erfolgen 
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