Full text : Abriss einer Geschichte der Theorie von den Produktionsfaktoren

39

aufgefaßt  werden  kann“.  Den  Einwand,  daß  auch  die  Natur  zur
Hervorbringung  eines  Gutes  Kosten  hat,  weist  er  zurück  mit  der  Behauptung, ­
  daß  die  Kraft  der  Natur  unzerstörbar  sei.  Dies  ist  in  der
eben  angeführten  allgemeinen  Form  zweifellos  richtig,  doch  fragt  es
sich  noch  sehr,  ob  die  Kraft  der  Natur  auch  in  jeder  Richtung,  die
von  Wichtigkeit  für  den  Menschen  sein  kann,  unzerstörbar  ist.  Und
dies  ist  sicher  zu  verneinen.  Um  nur  ein  Beispiel  anzuführen:  Es
ist  Tatsache,  daß  die  Zahl  der  Pelztiere  seit  den  letzten  Jahrzehnten
in  reißender  Abnahme  begriffen  ist,  und  daß  die  Zeit  nicht  mehr
allzu  fern  sein  kann,  wo  deren  gänzliches  Aussterben  befürchtet  werden
muß.  Und  ähnlich  steht  es  mit  vielen  Bodenschätzen,  wie  Kohle,
Erze  u.  ä.,  deren  Gewinnung  schließlich,  wenn  auch  nach  langer  Zeit,
doch  einmal  ihrem  Ende  entgegengehen  muß.  Die  Kraft  der  Natur
ist  in  dieser  bestimmten  Richtung  offensichtlich  nicht  unzerstörbar,
und  die  Menschheit  wird  es  sicher  bedauern,  daß  die  Natur  nicht
einen  Teil  ihrer  Kraft,  den  sie  zur  Bildung  der  unendlichen,  nie  aufzubrauchenden ­
  Menge  Gestein  verwandt  hat,  nicht  lieber  zur  Unterhaltung ­
  einer  größeren  Menge  Pelztiere  benutzt  hat.  Es  ist  also  doch
wohl  nicht  unberechtigt,  in  dieser  Hinsicht  von  Aufwand  und  Kosten
auch  bei  der  Natur  zu  sprechen.  Dasselbe  ist  es,  wenn  Rodbertus
einige  Zeilen  weiter  unten  sagt:  „das  Material  ist  kein  Aufwand,  den
der  Mensch  für  das  Gut  macht,  Kosten  des  Gutes  sind  aber  nur  diejenigen ­
  ,  welche  e  r  hat.“  Ich  glaube  mit  dem  oben  angeführten
Beispiel  gezeigt  zu  haben,  daß  auch  die  Kosten  der  Natur  bei  der
Produktion  eines  Gutes  von  höchster  Wichtigkeit  sind.  Es  ist  die  gänzliche ­
  Verkennung  des  Seltenheitsmomentes,  die  ihn  dann  auch  weiterhin
aus  seiner  Behauptung,  die  Natur  habe  keinen  Aufwand  und  keine
Kosten,  sofort  die  Folgerung  hat  ziehen  lassen,  daß  sie  in  diesem
Falle  auch  keine  Werte  schaffen  könne.  Wir  haben  bei  Mill  gesehen,
daß  es  gerade  die  Beschränktheit  der  Menge,  in  der  manche  Naturgaben ­
  vorhanden  sind,  ist,  die  wertschaffend  wirkt.
Nachdem  wir  so  der  Natur  zu  ihrem  Rechte  verholfen  haben,
können  wir  auch  dem  Kapital  die  ihm  gebührende  Stellung  wieder
durch  eine  kritische  Beleuchtung  der  Auffassung  von  der  größeren  und
geringeren  Produktivität  der  Arbeit  verschaffen.  Rodbertus  hatte  den
Anteil,  den  das  Kapital  an  der  Hervorbringung  der  Güter  hat,  damit
ab  tun  wollen,  daß  die  Arbeit  des  Menschen  je  nach  dem,  ob  sie  sich
Kapital  zu  Hilfe  nähme  oder  nicht,  mehr  oder  weniger  produktiv  sei.
Er  führt  als  Analogie  dazu  an,  daß  ganz  dieselbe  Arbeitsmenge  auf
fruchtbarerem  oder  weniger  gutem  Boden  eine  sehr  verschiedene
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.