Full text : Abriss einer Geschichte der Theorie von den Produktionsfaktoren

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Noch  in  einer  anderen  Hinsicht  macht  es  sich  geltend,  daß  Marx  die
Frage  des  Bedürfnisses  an  der  entscheidenden  Stelle  gänzlich  außer  acht
gelassen  hat,  bei  der  Unterscheidung  von  Gebrauchswert  und  Tauschwert ­
  der  menschlichen  Arbeit  ’).  Ein  Mensch  kauft  sich  z.  B.  ein
Brot  doch  nicht  deshalb,  weil  soundsoviel  Arbeit  in  ihm  enthalten
ist,  sondern  weil  er  es  zur  Ernährung  notwendig  hat,  ein  Haus,  weil
er  darin  wohnen  will,  ein  Klavier,  weil  er  darauf  spielen  will  usw.,
bei  jedem  Kauf  und  Verkauf  kommt  es  darauf  an,  daß  sich  am  letzten
Ende  auch  ein  Käufer  findet,  der  die  betreffende  Sache  gebrauchen
kann' 2 ).  Man  kann  auf  die  Herstellung  eines  Gutes  so  viel  Arbeit
verwenden,  wie  man  will,  ist  es  zu  nichts  zu  gebrauchen,  so  ist  es  eben
vollständig  wertlos,  trotz  der  großen  Summe  Arbeit,  die  vielleicht
hineingesteckt  sein  mag.  Dies  gibt  Marx  auch  ohne  weiteres  zu s ).
Aber  die  notwendigen  Konsequenzen  daraus  zu  ziehen  unterläßt  er
öfter,  so  daß  sich  glatte  Widersprüche  ergeben.  Einmal  sagt  er  4 ):  als
Tauschwerte  enthalten  die  Waren  kein  Atom  Gebrauchswert,  und
kurz  darauf 5 ) 0 ):  kein  Ding  kann  Wert  sein  ohne  Gebrauchsgegenstand ­
  zu  sein.  Diese  beiden  Sätze  stehen  sich  so  schroff  gegenüber,
daß  sie  sich  nicht  vereinigen  lassen,  und  doch  zieht  Marx,  je  nachdem
er  es  braucht,  einmal  den  einen  und  ein  anderes  Mal  den  anderen
Leitsatz  zur  Beweisführung  heran,  zum  Beispiel  heißt  es  bei  der
Lehre  vom  sich  verzinsenden  Kapital 7 ):  „Was  wirklich  vom  Verkäufer ­
  veräußert  wird,  ist  der  Gebrauchswert  der  Ware,  die  Ware  als
Gebrauchswert“.  Und  bei  der  Lehre  von  der  menschlichen  Arbeitskraft ­
 8 )  sagt  er:  „Der  Verkäufer  der  Arbeitskraft,  wie  der  Verkäufer
jeder  anderen  Ware  realisiert  ihren  Tauschwert  und  veräußert  ihren
GebrauchswertEs  ist  also  eine  Analogie  vorhanden  zwischen  Kapital
und  menschlicher  Arbeit.  Beide  haben  dieselbe  Eigenschaft,  daß  ihr
Gebrauchswert  größer  ist  als  ihr  Tauschwert.  Es  müßten  sich  also,
da  in  beiden  Fällen  tatsächlich  der  Gebrauchswert  veräußert  wird,
auch  die  gleichen  Folgen  ergeben.  Aber  beim  Kapital  berücksichtigt
>)  Wagner,  Grundlegung  der  politischen  Ökonomie,  Leipzig  1892,  I,  323.
2 )  Ygl.  Wenckstem,  Marx,  Leipzig  1896,  S.  9.
s )  Marx,  Kapital,  I,  8.
*)  Ders.,  Kapital,  I,  4.
6 )  Ders.,  Kapital,  I,  7.
6 )  Vgl.  zu  beiden  Zitaten  Wenckstern  (a.  a.  0.,  S.  9)  der,  so  treffend  er  im
übrigen  die  Widersprüche,  die  sich  in  Marx’  Kapital  finden,  aufgedeckt  und  kritisiert
hat,  doch  die  Unvereinbarkeit  dieser  beiden  Sätze  übersehen  zu  haben  scheint.
7 )  Marx,  Kapital,  III,  336.
8 )  Ders.,  Kapital,  I,  156.
            
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