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In Betrieben, die den Rohstoff selbst erzeugen und weiter ver
arbeiten, sind die Kosten der Herstellung oder der Gewinnung von
jenen der Weiterverarbeitung rechnerisch zu trennen.
,V. Die Kalkulation eines Fabrikates in Unternehmungen knit
individuell bestimmbaren Erzeugnissen kann*) eine Einzel- oder
eine Gesamtkalkulation sein (vgl. auch § 2).
Die Einzelkalkulation stellt die Selbstkosten des ganzen
Fabrikates fest, hält jedoch dessen Einzelteile rechnerisch derart
auseinander, daß neben dem Gesamtpreis des Produktes auch der
Preis eines jeden einzelnen Teiles oder Stückes ersichtlich ist. Es
werden beispielsweise alle Teile einer zu kalkulierenden Dampf
maschine — Grundplatte, Anker, Ankerplatten, Dampfzylinder,
Zylinderkolben usf. — aus Stücklisten, Zeichnungen etc., so zu
sammengestellt, daß die Gesamtkosten eines jeden Maschinenteils
zu ersehen sind. Diese rechnerische Auflösung eines
Fabrikates in Einzelteile hat manche Vorzüge: Leichte
Berechnung der Ersatzstücke, der Änderungen in der Ausführung
einzelner Teile usw.
Die Gesamtkalkulation hingegen berechnet nur die Ge
samtkosten eines Fabrikates, ohne eine Übersicht über die Her
stellungskosten der Einzelteile oder -arbeiten zu geben. Material
und Löhne werden so wie sie verausgabt sind, fortlaufend notiert,
nach Kommissionsnummern verteilt und schließlich nach Beendigung
der Arbeit zusammengezählt.
VI. Unternehmungen, die die Erzeugung homogener Massen
zum Gegenstand haben, begnügen sich häufig, in der Kostenauf
stellung die Ausgaben planlos aneinander zu reihen, ohne zweck
mäßige systematische Gliederung. In bergbaulichen Betrieben
beispielsweise findet man Kosten der Aufsicht, Wetterführung, des
Abbaues usw. im bunten Durch- und Untereinander. Systematischer
ist das folgende Schema, das die Kosten der Produktion trennt in:
Löhne in der Grube, Löhne über Tag, Materialien, allgemeine Un
kosten (vgl. S. 38/39).
Zweckmäßiger ist es, die Produktionskosten so zusammen
zustellen, daß die Gesamtkosten der einzelnen Arbeiten Zu
ersehen sind. Das hat den Vorzug, daß die Rentabilität und die
Angemessenheit einer jeden Einzelarbeit beurteilt werden können;
nach dem oben angeführten Schema ist dies vielfach unmöglich.
Man vergleiche hingegen das Schema Seite 43.
In Betrieben, deren Produktionsarbeit in scharf voneinander
geschiedene Prozesse zerfällt, soll der Gesamtproduktions-
pro/eß auch rechnerisch in seine Einzelprozesse
*) Nach Bailewski, Der Fabrikbetrieb. Berlin 1905, S. 195 ff.