Object: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

214 U. Über Theorien der wirtschaftlichen Entwicklung der Völker, 
besonders den Niederrhein!) und Thüringen?), beschränkt blieb, 
so war die Länge des Weges, den dieser Artikel zurückzulegen 
hatte, meistens sehr beträchtlich. Die Stadt Erfurt, ein Haupt- 
siß des Waidhandels, exportierte massenhaft nach den sächsischen 
und schlesischen Textilbezirken einerseits, nach den Frankfurter 
und Nördlinger Messsen andrerseits. Sie verdankte außer ihrem 
Niederlagsrecht namentlich auch der bedeutenden Ausfuhr von 
Waid die große Handelsbedeutung, die sie im Mittelalter besaß?). 
Um eine Spezialität zu erwähnen, so wird im Jahre 1378 eine 
Handelsgesellschaft geschlossen, welche Falken von Lübeck nach 
Venedig verkauft, um von dort nach Alexandrien versandt 
zu werden?). Derselbe Handelsartikel begegnet uns schon in 
der Koblenzer Zollrolle von 1104°). Weiter hat Bücher wichtige 
Industrieartikel übersehen. Im ersten Straßburger Stadtrecht 
werden die gladii, qui in navibus de Colonia vel undecunque 
portantur, genannt). In jener Koblenzer ZBollrolle begegnen 
ebenfalls die veneditores gladiorum. Waffen und Metallwaren 
überhaupt gehören zu den ältesten Handelsartikeln in Deutsch- 
land?) und zwar zu denen des interlokalen Verkehrs. 
Allerdings schränkt hier wieder die Stadtwirtschaftspolitik 
den Handel ein, indem sie in erster Linie den städtischen Hand- 
werksmeistern den Absat sichert. Aber es bleibt doch noch recht 
viel Raum für freie Bewegung. Am Niederrhein und in Steier- 
mark arbeitet die Eisenindustrie schon im Mittelalter für den 
1) Vgl. meine landständ. Verfassung in Jülich und Berg II, 2, 
154 Anm. 10; Jahrbuch des Düsseldorfer Gesschichtsvereins 10, 186 ff.; 
Lau a. a. O. S. 217 f.; Geering, Mitteilungen aus dem Stadtarchiv 
von Köln Heft 11 S. 54. H. Z. 91, S. 440 Anm. 1. 
2) Bruno Hildebrand a. a. O. S. 207 ff. 
3) Geering a. a. O. Zeitschr. f. schlesische Geschichte 26, 19 Anm. 1. 
F. Lauterbach, Der Kampf des Waids mit dem Indigo (Lpz. Diss. 
v. 1905). Indigolende) im J. 1347: W. Stein, Akten II, S. 17 Z. 27. 
1) Pauli, Lübeckische Hustände 1, 142. 
>) Keutgen, Urkunden S. 49. 
s) Keutgen S. 96 g 47. Lamprecht, Wirtschaftsleben 11, S. 334. 
7) Vgl. meine Bemerkungen in der Zeitschr. f. Soz.- u. W. G. 5, 
147 ff. Dörner, Das Sarwörter- und Schwertfegeramt in Köln, 
Freiburger Diss. v. 1915, S 1 ff
	        
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