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Die Liquidität beträgt 1,79; sie erscheint hinreichend hoch, wenn man die Größe des
Betriebsvermögens bei nicht' sehr hohem Anlagevermögen in Wertpapieren und Beteiligungen be
rücksichtigt. In den einzelnen Jahren zeigt sie größere Veränderungen; der größte Ünterschied
gegen die benachbarten Jahre, abgesehen von dem Sinken der Liquidität im Jahre 1904, findet
sich im Jahre 1901, das auch bei den Vorräten und kurzfristigen Schulden auffallende Abweichun
gen zeigt. Den Änderungen der Liquidität entsprechen im ganzen Änderungen des Verhältnisses
des dauernd verfügbaren Kapitals zum Gesamtanlagevermögen; durchschnittlich beträgt es 1,10. Am
niedrigsten ist es in den Jahren 1907 und 08, wird aber durch erhebliche Vermehrung des Aktien
kapitals und der langfristigen Schulden im folgenden Jahre wieder erhöht.
II. Metallverarbeitung.
Tabelle 6.
Die Gruppe Metallverarbeitung umfaßt die Aktiengesellschaften, die sich mit jeglicher Art
von Metallverarbeitung, soweit sie nicht zum Hüttenbetrieb oder Maschinenbau zu rechnen ist, befassen.
Dahin gehören Emaillierung, Gießerei, Verzinkerei, Herstellung von Draht- und Blechwaren. Ferner
sind hierhin auch die Munitionsfabriken zu rechnen, die alle neben Munition noch anderweitige Metall
verarbeitungsprodukte hersteilen. Nur eine, der Gesellschaften beschäftigt sich mit der Verarbeitung
edler Metalle; eine Unterteilung nach Verarbeitung unedler Metalle außer Eisen und nach Ver
arbeitung von Eisen wurde nicht vorgenommen, da eine größere Anzahl der Gesellschaften sich
mit beidem befaßt._
Die Tabelle zeigt in den Ergebnissen sowohl bei den absoluten Werten, als auch bei den
Verhältniszahlen ein ziemlich gleichmäßiges Bild. Die Zahl der Gesellschaften wächst von 30 im
Jahre iqoi auf 49 im Jahre 1910, Das eigene Kapital mit durchschnittlich ii7,4°/ 0 des Aktien
kapitals nimmt in den Jahren 1904 bis 1910 von H4,2°/o auf 119,4°/ 0 zu, während es in den
ersten 4 Jahren ständig sinkt, da in ihnen die Reserven bei einer Gesellschaft 1 in weitgehendem
Maße zur Beseitigung von Verlusten in Anspruch genommen werden.
Das fremde Kapital beläuft sich durchschnittlich auf 41,3% des eigenen Kapitals, wovon
15,1% auf Obligationen und Hypotheken entfallen, die 17,5% d es Aktienkapitals betragen. Im
Laufe der 10 Jahre wächst das fremde Kapital von 39,7 °/ 0 auf 46,7 °/ 0 ; diese Zunahme wird allein
durch die kurzfristigen Schulden bewirkt. Eine auffallende Abweichung von der sonst gleichmäßigen
Entwicklung zeigt das fremde Kapital im Jahre 1905, in dem der kurzfristige Kredit außerordentlich
hoch in Ansprch genommen wird; beteiligt hieran sind fast allein die Munitionsfabriken; die Ver
anlassung dazu sind hohe Aufträge in Kriegsmaterial.
Dasselbe Jahr zeigt auch in der Vermögensverteilung größere Abweichungen von den
benachbarten Jahren. Während nämlich in den ersten 4 Jahren das produzierende Anlagevermögen
das Betriebsvermögen übersteigt, ändert sich im Jahre 1905 dies Verhältnis, so daß in den letzten
6 Jahren des Betriebsvermögen überwiegt. Die Zusammensetzung des produzierenden Vermögens
zeigt im übrigen eine stetige Entwicklung; der Anteil des produzierenden Anlagevermögens sinkt im
ganzen, entsprechend wächst der des Betriebsvermögens; die Höhe der Vorräte bleibt abgesehen von
kleinen Verschiedenheiten gleich. Im Durchschnitt entfallen auf produzierendes Anlagevermögen
47,2°/o un d auf Betriebsvermögen 52,8°/ 0 des produzierenden Vermögens, wozu Vorräte 21,7%
beitragen; die Vorräte sind also recht hoch, was wohl weniger auf ihrer Menge als auf ihrem
spezifischen Wert beruht.
Die Wertpapiere und Beteiligungen, die sich durchschnittlich auf 7,9% des Gesamtvermögens
und auf 15,4% ^ es Anlagevermögens belaufen, zeigen nur geringe Veränderungen.
Trotz des nicht sehr hohen Anlagevermögens betragen die Abschreibungen 3,5% des Gesamt
vermögens, da Wertminderungen der großen Vorräte, die starken Konjunkturschwankungen unterliegen,
häufig sind.
Die Liquidität, durchschnittlich 3,08, erscheint bei einem Betriebsvermögen von 52,8 °/ 0 des
produzierenden Vermögens hinreichend hoch; die Unregelmäßigkeiten in den einzelnen Jahren sind
nicht sehr groß, da die Zunahme der kurzfristigen Schulden meist dem Betriebsvermögen zugute
kommt. Das Verhältnis des dauernd verfügbaren Kapitals zum Gesaratanlagevermögen zeigt, ent
sprechend dem Sinken des Anteils des produzierenden Anlagevermögens am produzierenden Vermögen,
ein stetiges Wachsen von 1,37 im Jahre 1901 auf 1,61 im Jahre 1910; sein Durchschnitt ist 1,47.
l) Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik, A.-G