Full text : Einführung in die Kriegswirtschaftslehre

12

co

7;

H
P
er
£.
re
X

Verbindung  stehen  können.  Dabei  muß  man  aber
noch  überdies  im  Auge  behalten,  daß  in  unserem!
Beispiel  die  Rückzahlung  der  Anleihe  rasch  erfolgte, ­
  also  solche  weniger  wohlhabende  Kreise!
die  Lasten  trugen,  die  den  Krieg  erlebt  hatten!
und  wohl  auch  den  Vorteil  erkannten,  der  für  sie!
schließlich  darin  bestanden  hatte,  daß  sie  nicht
während  des  Krieges  mit  einer  schweren  Kriegssteuer ­
  belastet  wurden.  Wenn  aber  zwischen  der
Rückzahlung  der  Anleihe  und  der  Aufnahme  ein!
langer  Zeitraum  liegt,  dann  kann  eine  Generation  j
mit  Verpflichtungen  belastet  sein,  welche  vielleicht
für  die  Verhältnisse  unter  denen  die  Anleihe  auf-]
genommen  wurde,  kein  rechtes  Verständnis  mehr!
hat  oder  gar  die  Ziele  des  Krieges,  zu  dessen:
Führung  die  Anleihe  aufgenommen  wurde  grund-l
sätzlich  verwirft.  Es  kann  dann  geschehen,  daß;
die  alten  Schulden  zu  schweren  inneren  Konflikten ­
  Veranlassung  geben  und  breite  Massen!
dazu  antreiben,  die  Verteilung  der  Lasten  wesentlich ­
  zu  ändern.  Es  gibt  daher  nicht  wenige  Politiker,!
welche  aus  diesem  Grunde  eine  zu  lange  Rückzahlungspflicht
  nicht  gutheißen,  soweit  es  sich  I
nicht  um  Erfolge  handelt,  welche  offenbar  den  ,
folgenden  Generationen  in  erheblichem  Maße  auch!
zugute  kommen.  Es  ist  nicht  dasselbe,  ob  die;
Nachkommen  für  einen  Damm  Annuitäten  und;
Zinsen  zahlen  müssen,  der  wie  in  Holland  ihr
Land  dauernd  vor  Schaden  bewahrt,  oder  für  eine;
politische  Maßnahme,  deren  Zweck  nur  kurze  Zeit;
gewürdigt  wird  und  vielleicht  auch  hur  von  einem
Teil  der  Bevölkerung.  Dies  sind  zwar  nur  psycho-  j
logische  Momente,  doch  sie  spielen  bei  Anleiheaufnahmen
  keine  unwichtige  Rolle.  Wenn  eine
Anleihe  dazu  dient,  direkt  oder  indirekt  die  Produktion ­
  anzuregen,  oder  die  Einkommen  eines!
Landes  sonstwie  zu  erhöhen,  so  kann  die  Rückzahlung ­
  und  Verzinsung  derselben  relativ  leicht
erfolgen.  Das  gilt  auch,  wenn  die  Anleihe  selbst
zwar  nicht  Produktion  anregt,  wohl  aber  zu  einer
Zeit  aufgenommen  wird,  in  der  ohnehin  das  Einkommen ­
  im  Anwachsen  begriffen  ist.  Anders,
wenn  die  Anleihe  zu  einer  Zeit  aufgenommen
wird,  in  der  die  Einkommen  zurückgehen  und  sie
die  Erwerbsverhältnisse  nicht  verbessern  hilft,
dann  bedeutet  die  Rückzahlung  eine  schwere  Last
und  hat  in  erster  Reihe  nur  Einkommensver-Schiebungen
  zur  Folge;  der  eine  Teil  der  Bevölkerung ­
  verliert,  was  der  andere  gewinnt.
Wenn  man  die  Anleihen  zu  berechnen  sucht,
welche  ein  künftiger  Weltkrieg  nötig  machen
könnte,  so  kommt  man  oft  zu  ungeheuerlichen
Ziffern.  Manche  Schriftsteller  glaubten  sagen  zU
können,  daß  die  Aufbringung  solcher  Geldmassen
unmöglich  sei  und  daß  diese  Tatsache  allein  einen
künftigen  Weltkrieg  unmöglich  mache.  Wie  ich
schon  mehrfach  erwähnte,  ist  letzteres  Argument
nicht  stichhaltig,  weil  ja  die  unmittelbare  Beschaffung ­
  der  zur  Kriegführung  nötigen  Mittel
immer  noch  übrig  bleibt,  aber  auch  was  die  ungeheure ­
  Gesamtsumme  anlangt,  so  muß  darauf
hingewiesen  werden,  daß  die  Anleihen,  welche  ein  I
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.