Full text : Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

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schließlich  aller  Teuerungszulagen  und  Wohnungsgeldzuschuß  ungefähr  2200
Mark,  das  des  29jährigen  Amtsgerichtssekretärs  kaum  3400  Mark,  die  Tagegelder ­
  des  34jührigen  preußischen  Eerichtsassessors  —  wie  sie  heute  zu  Hunderten ­
  anzutreffen  sind  —  soweit  er  überhaupt  kommissarisch  beschäftigt  ist,
hochgerechnet  12  Mark  und  sein  Gesamteinkommen  etwa  4000  Mark,  ebenso
hoch  odör  richtiger  trostlos  gering  ist,  das  Anfangsgehalt  des  jungen  30jährigen
  Pfarrers.  Eine  derartige  Vergleichung  aber  ermöglicht,  wie  Lassalle
durchaus  mit  Recht  in  seinem  offenen  Antwortschreiben  an  das  Zentralkomitee ­
  zur  Berufung  eines  allgemeinen  deutschen  Arbeitervereins  >zu  Leipzig  ,
(Band  I  der  Gesamtausgabe  seiner  Werke,  S.  19  flg.)  hervorhebt,  den  besten
Maßstab  für  die  Beurteilung  der  Lage  der  Arbeiterschaft,  Um  jedwedem
Mißverständnis  die  Spitze  abzubrechen,  so  soll  mit  der  Feststellung  dieser
Tatsachen  in  keiner  Weise  über  die  Entwickelung  der  Lohnhöhe  ein  abfälliges
Werturteil  ausgesprochen  werden,  im  Gegenteil  erscheint  diese  Steigerung
vom  sozialpolitischeü  Standpunkt  des  Verfassers  aus  betrachtet,  als  hocherfreulich, ­
  Insbesondere  an  der  geradezu  phantastischen,  unerhörten  auf
einer  Ausbeutung  weitester  Volksschichten  beruhenden  Kriegsgewinnen  durch
skrupellose  Ausnutzung  der  Stellung  des  Reichs  —  namentlich  beim
Kriegsbeginn  —  bei  der  Lieferung  des  gesamten  Kriegsbedarfs  und
Ueberteuerung  fast  aller  Waren,  ist  es  das  einzig  Versöhnende,  daß  sie  wenigstens ­
  zu  einem  Bruchteil  in  Gestalt  hoher  Arbeitslöhne  den  breitesten
Volksschichten  zugute  gekommen  sind.  Lediglich  um  die  Unrichtigkeit  des
Marxischen  Verelendungsgesetzes  darzulegen,  wurden  die  gewaltig  hohen
Lohnsätze  der  letzten  Jahre  hier  ganz  kupz  mitgeteilt.  Nun  erhebt  sich  freilich ­
  —  und  zwar  nicht  nur  jetzt  während  der  Kriegsjahre,  sondern  auch  schon
in  der  Vorkriegszeit  —  der  sehr  gewichtige  und  ernstlichste  Beachtung  verdienende ­
  Einwand  gegen  diese  hier  vertretene  optimistische  Auffassung,  daß
die  Steigerung  der  Löhne  nur  scheinbar  sei,  lediglich  der  Nominallahn
werde  erhöht,  der  Reallohn  aber  bleibe  gleich,  die  Kaufkraft  des  Lohnes
sinke  in  derartig  gewaltigem  Maßstab  unaufhaltsam,  daß  hierdurch  die
Lohnerhöhungen  völlig  wettgemacht,  wenn  nicht  gar  überkompensiert  würden.
Ernsthafter  Nachprüfung  hält  jedoch  diese  Meinung  nicht  Stand,  Sehr  beachtenswertes ­
  Material  hierüber  bringt  die  kleine  Schrift  von  Ashley  „Das
Aufsteigen  der  arbeitenden  Klassen  Deutschlands  im  letzten  Vierteljahrhundert", ­
  1906,  Danach  war  nach  Berichten  der  Kruppschen  Konsumanstalt  in
Essen  in  den  Kruppschen  Werken  der  durchschnittliche  Tagelohn  im  Jahre
1871:  3,30  Mark  und  im  Jahre  1900:  4,78,  er  stieg  also  von  100  auf  157  v,  H,
Die  Entwickelung  der  wichtigsten  Lebensmittelpreise  dagegen  war  im  gleichen ­
  Zeitraume  die  folgende:  für  Speck  .von  100  auf  102  v,  H,,  für  Rindfleisch ­
  von  100  auf  111  v,  H.  und  von  Kalbfleisch  von  100  auf  121  v,  H„  für
Kartoffeln  dagegen  ein  Preissturz  von  ]00  auf  69  und  für  Roggenbrot  von
100  auf  83  v,  H,  Nach  Untersuchungen  aus  dem  Ruhrgebiete  (vergl,  Schnioller:
  Die  soziale  Frage,  1918,  S,  266)  stellt  sich  der  Lebensaufwand,—  die  Preise
von  1886  auf  100  gesetzt  —  die  Verteuerung  des  Lebens  1886:  100,  1909:  122,
76,  die  Steigerung  der  Bergarbeiterlöhne  1886:  100  und  1909:  174,87.  Die
Lohnsteigerung  übertrifft  demnach  die  Verteuerung  noch  um  52,11  v,  H,  Hochinteressant ­
  ist  das  Ergebnis,  zu  welchem  der  Revisionist  R,  Calwer  (Sozialistische ­
  Monatshefte,  1908,  Band  I,  S,  479  flg.)  gelangt:  „Der  Nominal-
            
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