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durchleuchten, eine das bisherige Dunkel vielfach erhellende,, wenn auch nicht
restlos erklärende Fackel der Erkenntnis entziindete er hier. In seinen Wer
ken, insbesondere in den drei Riesenbänden des „Kapital" ist eine schier ver
schwenderische Fülle von Geist ausgegossen. Ueberall schöpft Marx bei der
Konzeption seiner Cedanlengänge aus erster Hand, die kleinsten Einzel
heiten aller parlamentarischen Blaubücher über die wirtschaftliche Lage der
englischen Arbeiterklasse sind ihm wohlbekannt. Unermüdlich sammelt er al
les, rastlos durcharbeitet er alles, auf das Scharfsinnigste durchdenkt er alles.
Namentlich das „Kapital" „enthüllt eine solche Fülle wirtschafts-theore-
tifcher, wirtschaftsgeschichtlicher und wirtschaftspolitifcher Ideen, stellt eine
solche Fundgrube nationalökonom'ischen Wissens dar, daß jeder, auch wenn
er die einseitigen Gesichtspunkte, aus denen das ganze Material verarbeitet
und gesichtet ist, sich nicht zu eigen macht, die reichste Anregung und Beleh
rung aus diesem Werke erhält." (D'iehl a. a. O., S. 414.)
Sein großes Verdienst ist es insbesondere, daß er auf die außerordentlich
schweren Gefahren, die unser ganzes Wirtschaftsleben zufolge des Vorhan
denseins der industriellen Reservearmee — deren Existenz in der Tat als
Signatur unserer privatkapitalistischen Wirtschaftsordnung nicht gut in Ab
rede gestellt werden kann — bedrohen, mit furchtbarem Ernst hingewiesen
hat. Irrig freilich ist es, wenn er hierbei lehrt, daß die „industrielle Re
servearmee" sich immer wieder von neuem aus sich selber erzeuge. Denn
diese, die durch ihr Ueberangebot auf dem Wirtschaftsmarkt die Löhne herab
drückt, hat ihren Ursprung und ihr Rekrutierungsgebiet, wie dieses der be
rühmte Soziologe Franz Oppenheimer in seinen verdienstvollen Werken
(„Die Siedelungsgenossenschaft", 2. Auflage, 1913, „Das Großgrundeigentum
und die soziale Frage", 1898, „Die soziale Frage und der Sozialismus", 1919)
einwandsfrei erwiesen hat, auf dem Lande in den Eroßgllterbezirken. Von
dort setzt die massenhafte Abwanderung ein, die in die gewerblichen Zentren
einströmt und dort auf die Löhne drückt. Aus den Großgüterbegirkenj, den
Gebieten des wirtschaftlichen Hochdrucks strömen die Menschenmassen zu un
gezählten Tausenden jahrein, jahraus in die Gebiete des wirtschaftlichen
Niederbruchs, um dort verwüstend zu wirken. Eine Bekämpfung der Groß
güter muß daher zur Gesundung des sozialen Lebens in allererster Linie
beitragen. Diese großen Zumsammenhänge hat Marx verkannt, seine Be
trachtung heftete sich zu ausschließlich an dem einen Produktionsfaktor:
menschliche Arbeit, er vergaß hierbei die gewaltige Bedeutung des anderen
Produktionsfaktors: Grund und Boden so gut wie vollkommen! Vor allem
aber hat Marx den Arbeiter erst gewissermaßen für sich selbst gewonnen und
ihm das Verständnis für seine gewaltige Bedeutung im Produktionsprozesse
beigebracht, er hat ihn hingewiesen mit flammenden Worten auf das Un
würdige seiner Stellung, daß ihn der Unternehmer nur als dienendes Teil
rädchen im Produktionsprozeß betrachte. Schon ihm war letzten Endes die
Hebung der ganzen Persönlichkeit des Wirtschaftsmenschen, seine Heraus
hebung aus dem bloßen Objekt der Wirtschaft zu ihrem Subjekt, Menschen
ökonomie und nicht Steigerung der Produktivität das Primäre! So hat
er den wissenschaftlichen Sozialismus auf das Tiefste begründet. Gewiß
auch er war nur ein Kind seiner Zeit, ein irrender Mensch und kein Gott,
seine angeblichen „ehernen Gesetze" der menschlichen Wirtschaft passen durch-