Object: Preußisches Landbuch

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,Zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung“, 
Versäumnisse lagen tatsächlich in beiden Richtungen vor. Es ent 
geht der herrschenden Lehre, daß die Begrififsbildung jedesmal eine 
andere ist, je nachdem unser Erkennen auf das Allgemeine oder 
auf das Besondere abzielt; denn als Erkenntnisziel gilt überhaupt 
nur das Allgemeine. Es ist nun wahr, unser Denken trennt sich nie 
mals vom Allgemeinen, da seine Elemente notwendig abstrakte sind. 
Dies wird aber in falscher Analogie auf das Ziel unseres Erkennens 
ausgedehnt So erwächst die Meinung, daß die wissenschaftlichen 
Begriffe durchweg Allgemeinbegriffe seien und jede auf Erfahrung 
gegründete Wissenschaft also darin gipfeln müßte, daß man „Gesetze“ 
erfaßt. Nun ist zwar der Korrektur dieses Irrtums die Bahn längst 
gebrochen; zuletzt hat es Rick er t umfassend gezeigt, wie sich ins 
besondere in der Geschichtswissenschaft das Besondere als Ziel unserer 
Erkenntnis bewährt. Es hat aber gegolten, das logische Verfahren 
selber, das wir dabei befolgen, in seiner Reinheit darzustellen, los 
gelöst von seiner Anwendung in irgendeiner Fachwissenschaft Der 
Zweck dieser „Theorie des Individuellen“ war ein doppelter. Erstens 
ließ sich bloß durch die scharfe Analyse des Verfahrens dartun, daß 
letzteres völlig ebenbürtig dem anderen Verfahren sei, nämlich der 
Bildung von Allgemeinbegriffen. Zweitens ergaben sich alle Voraus 
setzungen, an welche die Anwendung dieses Verfahrens gebunden 
ist. Beides aber erweist sich von ausnehmendem Belang für das Ver 
ständnis der sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung 1 Der erstere Nach 
weis räumt mit dem Vorurteil auf, als ob auch die Sozialwissenschaft, 
um Wissenschaft zu bleiben, in Allgemeinbegriffen und „Gesetzen“ 
aufgehen müsse. Die Kenntnis jener Voraussetzungen wieder bietet 
den Schlüssel dar zur Lösung eines Problems, das für unsere fachliche 
Methodologie das fundamentale bleibt: wie sich innerhalb der Sozial 
wissenschaft die „nomothetische“ und die „idiographische“ Begriffs 
bildung zueinander stellen. Im Rahmen der Lösung dieses Problems 
läßt sich der ganze Streit zwischen „Historikern“ und „Theoretikern“ 
in unseren Disziplinen schlichten, soweit er begriffstechnischer Natur 
ist, also der Methodologie der Darstellung zur Entscheidung anheimfällt. 
Die Lösung dieses Problems setzt jedoch voraus, daß man über 
die Sozialwissenschaft selber prinzipiell im klaren ist. Hier also schiebt 
sich die erkenntnistheoretische Erwägung ein, wie Sozialwissen 
schaft überhaupt als Erfahrungswissenschaft möglich 
ist. Für den Vollzug dieser Erwägung gebricht es nun schon ganz 
und gar an der richtigen Instruktion; hier waren Lücken aus 
zufüllen in Bezug auf ganz fundamentale Verhältnisse 
unseres Erkennensl Dies konnte natürlich bloß ad hoc versucht
	        
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