Full text : Wirtschaft als Leben

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„Zur  sozialwissenschaftlichen  Begriffsbildung 1 ',

—  durchweg  Kategorien,  welche  der  phänomenologischen  Denkweise
notwendig  fremd  bleiben.
Es  kann  nicht  einen  Augenblick  im  Zweifel  sein,  daß  in  der
Sozialwissenschaft  die  noetische  Denkweise  rege  ist.  Dreht
sich  doch  in  dieser  Wissenschaft  alles  um  das  Handeln  und  Leiden
der  zueinander  Stellung  nehmenden  Subjektei  Darum  durfte  in  diesem
Zusammenhang  der  aus  Erlebungen  gewobene  Stoff,  das  noetisch  Erfahrbare, ­
  gleich  als  der  „Stoff  der  Sozialwissenschaft“  vorgeführt  werden.
Diese  Gleichsetzung  des  sozialwissenschaftlichen  mit  einer  Spielart  des
noetischen  Denkens  bedarf  auch  deshalb  keines  weiteren  Beweises,  weil
die  ganze  spätere  Untersuchung  die  Probe  darauf  machen  wird.
Die  Frage,  wie  Sozialwissenschaft  möglich  ist,  hat  offenbar  schon
ihre  erste  Antwort  gefunden,  wenn  man  in  der  Sozialwissenschaft  ein
Gebiet  der  noetischen  Erfahrung  erkennt.  Wir  ermessen
sofort,  es  sondert  sich  daraufhin  die  Sozialwissenschaft  von  aller
Naturwissenschaft  ab,  einschließlich  der  Psychologie,  weil  dies  wieder
Gebiete  der  phänomenologischen  Erfahrung  sind.  In  der  Tat,  auch
die  Psychologie,  als  Wissenschaft  von  den  psychischen  Erscheinungen,
hat  nichts  mit  der  noetischen  Denkweise  zu  tun.  Nur  der  laxe
Sprachgebrauch,  der  sich  einmal  eingebürgert  hat,  verleitet  uns,  von
„Psychologie“  selbst  in  jenem  grundsätzlich  ganz  verschiedenen ­
  Falle  zu  reden,  wenn  es  sich  um  das  stellungnehmende ­
  Subjekt  handelt!  Dann  handelt  es  sich  eben  nicht
um  psychologische,  sondern  um  noetische  Erwägungen;  und  nennen
wir  beispielsweise  einen  Dichter  einen  „guten  Psychologen“,  so  ist  er
in  Wahrheit,  weil  er  die  kausale  Verflechtung  des  noetisch  Erfahrbaren ­
  geistig  zu  beherrschen  weiß,  ein  guter  N  o  e  t  i  k  e  r.  Ein  eigentlicher, ­
  organischer  Zusammenhang  zwischen  Psychologie  und  Sozialwissenschaft ­
  fehlt  in  dem  gleichen  grundsätzlichen  Sinne,  als
sich  die  noetische  von  der  phänomenologischen  Denkweise  sondert.
Natürlich  gehört  es  auf  ein  ganz  anderes  Blatt,  in  welchem  Sinn  und
Ausmaß  es  der  Sozialwissenschaft  trotzdem  gelingt,  naturwissenschaftliche, ­
  also  auch  psychologische  Wahrheiten  für  ihre  eigenen  Zwecke
zu  verwerten,  und  so  auch  umgekehrt.  Es  ist  ein  Schulbeispiel ­
  oberflächlichen  Denkens,  vermengt  man  diese
zwei  Verhältnisse  miteinander!
Als  Gebiet  der  noetischen  Erfahrung  steht  die  Sozialwissenschaft
nicht  allein.  Von  Wissenschaften  in  der  Art  der  Ethik,  oder  der
Jurisprudenz,  müssen  wir  zunächst  absehen;  sie  kommen  für  den
ersten  Umblick  nicht  in  Betracht,  so  unverkennbar  ihre  noetische
Artung  ist;  wäre  doch  erst  ihr  besonderes  Verhältnis  zur  Erfahrung
            
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