wirtschaft eine Errungenschaft der Neuzeit.. 17
land während des großen Weltkriegs es vermocht hat, sich trotz
der Abschließung von der Weltwirtschaft aus eigenen Kräften
zu behaupten!).
Die vorstehende Skizze hat uns ein Bild der historischen Entwicklung
gegeben. Aus ihr können wir nie den Gang der Zukunft
schlechthin ablesen. Feste Geseße der Entwicklung für Vergangenheit
und Zukunft aufzustellen ist unmöglich. Ganz und
gar nicht wird es zulässig sein, übereinstimmende gerade Linien
für die Geschichte aller einzelnen Völker zu ziehen. Schon die
verschiedenen geographischen Verhältnisse bedingen eine abweichende
Stellung der verschiedenen Staaten zu den wirtschaftlichen
Fragen. Indessen auch die Entwicklung des einzelnen
Volks bewegt sich nicht in gerader, ungestörter, ununterbrochener
Linie. Wie wir bei dem englischen Prämiengesez von 1689
beobachteten, daß es ohne die damalige politische Situation
schwerlich zustande gekommen wäre, wie ferner das Aufkommen
der Manchestertheorie und -politik in Deutschland einen Rückschlag
in der staatlichen Fürsorge für die Landwirtschaft bedeutete,
so beruht die Stellung des Staats zu den wirtschaftlichen
Fragen überhauptsstets auf dem Ergebnis wechselnder allgemeiner
Strömungen, sich wandelnder Konstellationen, harter Kämpfe.
Wie die mittelalterliche Stadtwirtschaft sich nur im Kampf durchsette,
wie der Merkantilismus wahrlich mehr bewußter Politik
als natürlichen Vorgängen sein Aufkommen verdankte, wie
vollends die neue Wirtschaftspolitik Bismarcks einen regelrechten
Eroberungskrieg führen mußte, so wird auch in der Zukunft die
Stellung des Staats zu den wirtschaftlichen Fragen nur in Kämpfen
gefunden werden, und der Kampf für die Landwirtschaft
") Wie sich Bismarcks Argument, daß wir wegen einer im Fall
eines Krieges möglichen Absperrung der Nahrungsmittelzufuhr wirtschaftlich
selbständig dastehen müßten, bewahrheitet hat und wie
andererseits der von mehreren Nationalökonomen dagegen erhobene
Widerspruch durch die Erfahrung widerlegt worden ist, darüber s.
meine Schrift: Deutschland und die Hohenzollern (1915), S. 46;
Diehl, in den „Jahrbüchern f. Nat.“, Bd. 104, S. 746. Über die Bewährung
der deutschen Schutzzollpolitik s. auch Pohle S. 44.
: