Trevithik. Älteste Eisenbahnlokomotive.
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Bemerkenswert an dieser ältesten Eisenbahnlokomotive ist noch der Umstand, das; die
Räder an der Lauffläche in Breite der Fahrschienen glatt, daneben aber durch Nagelköpse
rauh gemacht waren. Neben die Eisenspur war eine Holzbahn gelegt, in die sich die Köpfe
der Radnägel beim Fahren eindrückten. Durch die künstlich so vermehrte Reibung war die
Lokomotive im stände, Wagenlasten fortzuziehen. In seiner Patentschrift vom Jahre 1802
wies Trevithik darauf hin, daß in gewissen Fällen der Umfang der Treibräder uneben zu
machen sei, etwa durch vorstehende Bolzen, Nagelköpfe oder durch Querfurchcn. Er setzt jedoch
ausdrücklich hinzu, daß im allgemeinen die gewöhnliche Beschaffenheit oder Form der Außen
fläche dieser Räder für den beabsichtigten Zweck genügen würde, das ist aber der glatte
cylindrische Radumfang! Ihm war also im Gegensatz zu der in der späteren, auch neuzeitigen
Litteratur allgemein verbreiteten Ansicht schon bekannt, daß die Reibung zwischen Treibrad
und Radbahn unter Umständen für das Ziehen von Lasten genüge. Wenn er dennoch die
vorgenannten Kunstnnttel zur Vermehrung der Adhäsion vorschlug und anwandte, so war
er dazu gezwungen, weil die Treibrädcr seiner Lokomotive viel zu gering belastet waren.
183. Trevithiks verbesserte Kchmnngrad-Lokomotive, 180314.
(Älteste Lokomotive für Eisenbahnen.)
Aus dem zu Anfang dieses Abschnitts über Schienenreibung Gesagten geht aber hervor, daß,
wenn eine Lokomotive beim Anfahren einen bestimmten Widerstand überwinden soll, ihre
Treibräder mit etwa dem 6,sfachen desselben belastet sein müssen. Dieses einfache Grund
gesetz war aber derzeit noch nicht erkannt. Für die damalige Zeit kam noch erschwerend
hinzu, daß die Spnrwege vielfach in den unebenen und oft steilen Straßenzügen lagen, auf
die so schwache Lokomotiven wie es die Trevithiksche war, mittels glatter Räder Wagenlasten
nicht hinauf befördern konnten, zumal wenn die Schienen durch schmelzenden Schnee,
Schlamm u. s. w. schlüpfrig geworden waren.
Von dieser Trevithikschen Lokomotive, die übrigens ihrem Erfinder weder Erfolg
noch dauernde Anerkennung einbrachte, auch nicht einbringen konnte, da sie nicht genügend
ausgereift und das gußeiserne Gleis, auf dem sie lief, auch nicht widerstandsfähig genug
war, leitete sich wohl die falsche Anschauung jener Zeit her, daß zwischen glatten Treib
rädern und Eisenschienen nicht so viel Reibung vorhanden sei, wie für das Fortziehen
von Lasten notwendig ist. Und so sehen wir, wie die nächsten, von anderer Seite unter
nommenen Versuche auf Herstellung eines brauchbaren Dampfwagens sich alle mit der
künstlichen Reibung abmühen. Sie alle waren sonach von vornherein nicht lebensfähig.
Am aussichtsvollsten war noch die Zahnradlokomotive, auf die 1811 I. Blenkinsop,
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