Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Geschichte  der  Lokomotive.  Blenkinsop,  Chapman  und  Brunton.

Im  Erüffnungsjahre  der  ersten  deutschen  Eisenbahn  (1835)  wanderte  die  Zahnradlokomotive
nach  langer  Ruhepause  ins  alte  Eisen.  Das  in  Berlin  erschienene  „Museum  des  Neuesten
und  Wissenswürdigsten"  gibt  in  seinem  Oktoberheft  vom  Jahre  1816  eine  ausführliche  Beschreibung ­
  von  ihr,  die  sich  ganz  mit  der  Abb.  184  deckt.
Im  Jahre  1812  versuchten  die  Gebrüder  William  und  Edward  Chapman,  von  denen
ersterer  Zivilingenieur  war,  die  Aufgabe  dadurch  zu  lösen,  daß  sie  statt  der  Zahnstange  eine
an  beiden  Enden  der  Bahn  fest  verankerte  Kette  wählten,  an  der  sich  die  Lokomotive  mittels
einer  durch  Dampf  angetriebenen  Rolle  oder  Windetrommel  entlang  ziehen  sollte,  wie  das
heutigestags  noch  bei  der  Kettenschiffahrt  auf  der  Elbe,  Saale  u.  s.  w.  und  in  ähnlicher
Weise  bei  der  Seilfahrt  auf  Flüssen  zur  Anwendung  kommt.  Auch  ließen  sie  sich  gleichzeitig ­
  hiermit  eine  künstliche  Feueranfachung  durch  ein  von  der  Lokomotive  getriebenes
Gebläse  patentieren  und  sahen  für  scharf  gekrümmte  Bahnen,  desgleichen  für  leichte
Schienen  —  damals  stets  aus  Gußeisen  in  kurzen  Stücken  hergestellt  —  Drehgestelle  für
ihre  Lokomotiven  vor.  Ihren  Kettenantrieb  bildeten  sie  auch  dahin  aus,  daß  mittels  einer
endlosen  Kette  von  begrenzter  Länge  eine  beliebig  lange  Bahnlinie  befahren  werden  konnte.
Es  wurde  eine  Kettenlokomotive  auf  der  Hettonbahn  in  der  Nähe  von  Newcastle-on-Tyne
zwar  erprobt,  aber  zu  brauchbaren  praktischen ­
  Ausführungen  haben  sich  diese
Chapmanschen  Vorschläge  nicht  verdichtet. ­
  Das  Drehgestell  allein  war
lebensfähig,  wurde  jedoch  erst  zwei
Jahrzehnte  später  und  zwar  von  amerikanischer ­
  Seite  nutzbar  gemacht.
Brunton,  Ingenieur  derBatterley
  Eisenwerke,  kam  1813  sogar  auf
den  abenteuerlichen  Gedanken,  „die
Natur  nachzuahmen",  indem  er  seine
Lokomotive  hinten  mit  zwei  Giraffenbeinen ­
  ausstattete,  deren  Gelenke  nach
Abb.  185  abwechselnd  durch  die  Kolbenstange ­
  eines  wagerecht  liegenden  Dampfcylinders
  hin  und  her  bewegt  bezw.
geknickt  wurden.  Die  unten  mit  Gelenkklauen ­
  versehenen  Eisenstelzen  oder
Krücken  fanden  dabei  abwechselnd  am  Bahnkörper  festen  Stützpunkt  und  konnten  daher  die
Lokomotive  fortdrücken.  Jede  um  den  oberen  Punkt  pendelnde  Krücke  war  etwas  oberhalb
ihres  Knickpunktes  mit  einer  wagerechten  Zahnstange  verbunden,  die  in  ein  oben  auf  dem
gußeisernen  Dampfkessel  gelagertes  Zahnrad  eingriff.  Dadurch  waren  beide  Krücken  miteinander ­
  gekuppelt,  ging  die  eine  vorwärts,  so  mußte  die  andere  sich  entgegengesetzt  bewegen.
Durch  eine  Schnur  wurden  die  Klauen  beim  Zurückholen  der  Stelzen  vom  Boden  abgehoben.
Es  ist  hier  also  thatsächlich  die  Bewegung  des  Tierbeines  nachgeahmt.  Die  Lokomotive  vermochte ­
  sich  mit  etwa  4  km  Geschwindigkeit  in  der  Stunde  fortzuschleichen  und  entwickelte  etwa
5  Pferdestärken.  Eine  Kesselbeschädigung  setzte  ihrem  Wirken  ein  baldiges  Ziel.  (Brunton
hatte  sich  diese  Krückenbewegung  auch  für  die  Beförderung  von  Schiffen  unter  Nr.  3700
patentieren  lassen!)  Noch  andere  seltsame  Anordnungen  wurden  in  jener  Zeit  erdacht.
Aber  alle  diese  zum  Ersatz  der  angeblich  mangelnden  Schienenreibung  ersonnenen  Künsteleien ­
  konnten  nimmermehr  eine  brauchbare  Lokomotive  für  dauernden  Betrieb  abgeben.
Erst  als  Blackett,  Inspektor  der  bei  Newcastle-on-Tyne  gelegenen  Wylamzechen
auf  der  Wylam-Lemingtonbahn  im  Verein  mit  William  Hedley,  ebenfalls  Inspektor  bei
den  vorgenannten  Kohlengruben,  durch  besondere  eingehende  Versuche  an  einem  mittels
Handwinden  angetriebenen  Eisenbahnwagen  feststellte,  daß  bei  entsprechender  Belastung
der  glatten  Eisenräder  die  Reibung  zwischen  Treibrad  und  Schiene  völlig  ausreichend  sei
für  das  Anfahren  und  Fortziehen  von  Fahrzeugen,  war  auch  die  Grundlage  geschaffen,
auf  der  sich  eine  lebensfähige  Lokomotive  weiter  entwickeln  konnte.  Blackett  selbst  mühte
            
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