Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Eisenbahnen:  Die  Lokomotive.

Schienen  mehr  zu  schonen  und  die  Unterhaltungskosten  herabzuziehen.  Es  werden  hier
die  vier  Achsen  durch  nicht  weniger  als  acht  Zahnräder  angetrieben,  was  gerade  nicht  zum
Vorteil  der  Arbeitsübertragung  ist.  Diese  Bauart,  bei  der  je  zwei  Achsen  in  einem  besonderen ­
  Rahmen  gelagert  waren,  hat  Anlaß  zu  der  in  der  deutschen  Litteratur  verbreiteten ­
  Legende  gegeben,  daß  die  Lokomotive  zwei  um  einen  Mittelzapfen  einstellbare
Drehgestelle  besessen  hätte,  Hedley  also  der  Erfinder  derselben  sei.  Das  ist  nicht  richtig.
Schon  die  in  einer  Ebene  liegenden  acht  Zahnräder  und  die  durch  Abb.  187  wiedergegebene ­
  Bauart  der  Rahmengestelle  verbieten  eine  solche  Anordnung.  Oben  sind  die
Gebrüder  Chapman  auf  Grund  ihrer  Patentschrift  vom  Jahre  1812  als  die  ersten  Verwender ­
  von  Lokomotivdrehgestellen  genannt  worden.  Auffallend  ist  die  Dampfabführung
in  Abb.  187.  Der  Abdampf ­
  gelangt  erst  in
einen  geräumigen  Zwischenbehälter ­
  und  aus
diesem  in  den  Schornstein. ­
  Nach  Smiles  hatte
Hedley  diese  Anordnung
getroffen,  um  das  vordem
vorhandene  laute  Geräusch ­
  des  ausströmenden
Dampfes,  durch  das  die
Anwohner  der  Bahn  zu
sehr  belästigt  und  die
Pferde  scheu  geworden
waren,  zu  beseitigen.
Eine  wirksame  Feueranfachung ­
  durch  den  Abdampf ­
  war  freilich  damit
aufgegeben.
Um  das  Jahr  1814
greift  auch  George  Stephenson ­
  in  den  Entwickelungsgang ­
  der  Lokomotive ­
  ein.  Mit  glücklicher ­
  Hand  und  sicherem
praktischen  Blick  bildet  er
sie  weiter  aus  und  gibt
ihr  im  Verlauf  von  15
Jahren  unter  wesentlicher ­
  Beihilfe  anderer
erfahrener  Männer  diejenige ­
  Anordnung,  die  sie  zum  Kulturträger  unserer  Zeit  befähigen  sollte.  —  Stephenson
(vergl.  Abb.  188)  hatte  sich  durch  rastlosen  Eifer  allmählich  vom  Pferdetreiber  einer
Kohlenbahn  zum  Maschinenwärter  emporgearbeitet.  Im  Jahre  1811  gelang  es  ihm,
eine  Verbesserung  an  einer  Newcomenschen  Feuermaschine  sowie  an  einer  Bergwerkspumpe ­
  zu  treffen,  was  ihm  die  Stelle  eines  Maschinenmeisters  des  bei  Newcastle  gelegenen ­
  Killingworth-Bergwerks  verschaffte.  Ein  Jahr  später  wurde  er  bereits  infolge
seiner  Kenntnisse  im  praktischen  Maschinenwesen  und  seines  scharfen  Blickes  für  maschinelle ­
  Betriebe  zum  Grubeninspektor  ernannt.  Als  solcher  konnte  er  seine  Begabung
und  seinen  inneren  Drang  freier  entfalten,  und  besonders  eifrig  arbeitete  er  u.  a.  an  der
Verbesserung  der  Lokomotive,  deren  Mängel  er  an  der  Hedley-  und  Blenkinsopschen
Bauart  wiederholt  kennen  gelernt  hatte.  Die  nötigen  Geldmittel  gab  ihm  der  Besitzer
des  vorgenannten  Bergwerkes,  Lord  Ravensworth.  Am  25.  Juli  1814  setzte  Stephenson
seine  erste  Lokomotive  auf  der  Killingworth-Eisenbahn  in  Betrieb.  Zu  Ehren  des  alten

188.  George  Stephenlon.
Geboren  am  9.  Juni  1781  in  Wylam  bei  Newcastle-on-Tmie.
Gestorben  am  12.  August  1848  in  Tapton  Hause  bei  Chesterfieid.
            
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