Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

474  Schiffahrtskanäle.

von  Arboga  und  von  hieraus  in  den  Hjelmarsee,  der  weitere  Lauf  geht  durch  den  Schwartfluß ­
  und  durch  verschiedene  Verbindungskanäle  kleinerer  Seen  in  den  großen  Wenersee.
Von  dem  letzteren  geht  der  Kanal  durch  den  Karlsgraben  'in  die  Göta-Elf  nach  Gotenburg ­
  und  in  die  Nordsee.  Die  östliche  Fortsetzung  der  Kanalanlage  vom  Wenersee  durch
den  Wettersee  zur  Ostsee  stammt  in  der  Hauptsache  von  dem  Freiherr»  Baltzar  Bogislaus
von  Platen  und  Daniel  Thunberg  her.  Die  Eröffnung  dieser  Linie,  welche  von  Gotenburg ­
  bis  Mem  an  der  Ostsee  eine  Länge  von  387  Ion  besitzt,  erfolgte  im  Jahre  1832.
Der  Kanal  weist  im  ganzen  58  Schleusen  auf.  Die  5  Schleusen  (Graf  Tessin-,  Graf
Eckeblad-,  Poihem-,  Elvius-  und  Gustav-Schleuse)  in  dem  Thal  der  Göta-Elf  sind
es,  die  dem  Trollhätta-  und  Götakanal  seine  Berühmtheit  verliehen  haben.  Die  Schleusen
sind  durchgehends  in  Felsen  eingehauen.  Bei  der  Polhemschleuse  ist  durch  einen  in  die
Felsen  eingehanenen  Kanal  von  240  Fuß  Länge,  20  Fuß  Breite  und  10  Fuß  Tiefe  eine
Verbindung  mit  dem  Flusse  oberhalb  des  berühmten  Trollhättafalles  hergestellt.  Die
Schleuse  ist  60  Fuß  lang  und  hat  eine  Breite  von  20  Fuß  und  eine  Tiefe  von  64  Fuß.
Vom  unteren  Ende  geht  ein  160  Fuß  langer  unterirdischer  Kanal  ab.  Diese  im
Jahre  1800  der  Benutzung  übergebenen  Schleusen  dienen  jetzt  nur  dem  kleinen  Verkehr.
Neben  denselben  sind  in  den  Jahren  1836  —1844  von  Nils  Ericsson  11  neue  Schleusen,
die  Schleusen  von  Akersvaß  erbaut  worden.  Wie  die  topographische  Gestaltung  infolge
der  großen  Höhendifferenzen  der  Tracierung  Schwierigkeiten  bereitete,  so  schuf  der  Baugrund, ­
  der  entweder  aus  Felsen  oder  einem  Gemisch  von  Gerölle  und  Erde  besteht,  der
Ausführung  Hindernisse,  die  nur  mit  Mühe  bewältigt  werden  konnten.
Der  schwedische  Wasserverkehr  besteht  zu  mehr  als  90  °/ 0  aus  Rohprodukten,  wie
Holz,  Kohlen,  Erze,  Getreide,  Thon  und  Erden,  deren  Bewegung  nicht  an  eine  bestimmte
Jahreszeit  gebunden  ist.  Diese  sämtlichen  Artikel  können  auf  Vorrat  aufgespeichert  werden,
wodurch  die  lange  Eisperiode  weniger  von  Bedeutung  ist.  Im  Winter  dienen  die  zugefrorenen ­
  Kanäle  und  Gewässer  zum  Transport  der  Hölzer,  Erze  u.  s.  w.  nach  allen
Plätzen  und  Punkten  der  Wasserstraßen.
Der  bedeutendste  Kanal  Norwegens  ist  der  in  den  Jahren  1889—1892  mit  einem
Aufwand  von  3  Millionen  Kronen  erbaute  Bandakkanal  in  Telemarken.  Dieser
künstliche  Wasserweg  beginnt  bei  Ulefos  und  überwindet  den  57  in  betragenden  Höhenunterschied ­
  des  Wasserstandes  der  Nordsee  und  des  Bandaksvand  durch  17  Schleusen.
An  dem  Vrangfos,  der  eine  Höhe  von  33  in  hat,  sind  6  Schleusen  hintereinander  zur
Ausführung  gekommen,  von  welchem  die  beigefügte  Abb.  479  eine  Darstellung  gibt.
Der  Entwickelung  des  englischen  Kanalbanwesens  ist  bereits  in  der  Einleitung
gedacht.  In  Irland  begann  1770  die  „Grand-Kanal-Gesellschaft"  und  im  Jahre  1789
die  „Royal-Kanal-Gesellschaft"  das  Land  mit  Kanälen  zu  durchziehen.  Die  Wasserläufe
des  Barrow,  Shannon,  Bohne,  Eine  und  Siffey  wurden  untereinander  durch  weitverzweigte ­
  Kanäle  verbunden.  Infolge  der  überaus  schlechten  Wegeverhältnisse  erhielt
in  Irland  der  Passagierverkehr  auf  den  Kanälen  eine  höhere  Bedeutung  und  erfuhr  daher
eine  weitergehende  Entwickelung  als  in  Großbritannien,  woselbst  sich  allerdings  auch
eine  Passagierbeförderung  zwischen  Edinburg  und  Glasgow  und  zwischen  London  und
Birmingham  mittels  „Swift  boats“  entwickelte  und  sich  sogar  ein  Vergnügungsverkehr
auf  dem  Bridgewaterkanal  ausbildete.  Auf  dem  letzteren  war  bereits  von  dem  Herzog
von  Bridgewater  durch  eigene  Boote  ein  Passagierverkehr  eingerichtet  worden.  Zweimal
wöchentlich  fand  mittels  einer  gedeckten  Barke  die  Personenbeförderung  zwischen  Runcorn
und  Manchester  statt.  Als  Zugkraft  wurden  Pferde  benutzt,  die  ganze  Strecke  wurde  in
8  Stunden  durchfahren.
Man  würde  irren,  wollte  man  glauben,  die  Herstellung  dieser  zahlreichen  Kanalanlagen ­
  sei  ohne  Widerstand  von  jenen  Seiten  erfolgt,  die  durch  diese  Schöpfungen  in
ihren  Erwerbsverhältnissen  geschädigt  wurden.  Bereits  das  Konzessionsgesuch  der  Kanalanlage ­
  Manchester-Liverpool  stieß  im  Parlamentsausschuß  auf  heftigen  Widerstand.  Die
Besitzer  der  Mersey-  und  Jrwell-Schiffahrtsgesellschaft  ließen  keine  Mittel  unversucht,
um  diese  Angelegenheit  zu  Falle  zu  bringen,  jedoch  waren  alle  Anstrengungen  vergebens.
Immer  wieder  waren  es  die  Pferdetreiber,  die  bei  jedem  neuen  Kanalprojekte  ihre  Stimme
            
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