Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

652  Schiffbau.

Während  des  Herrichtens  des  Kiels  und  der  Stevenhölzer  wird  meist  mit  dem
Aussuchen  und  Ausarbeiten  der  Spanthölzer  begonnen.  Die  Spanten  bilden  gewissermaßen ­
  die  Rippen  des  Schiffsrumpfes,  welche  dem  Kiel  oder  Rückgrat  angefügt  werden.
In  Verbindung  mit  den  Decksbalken  bilden  sie  den  Hauptquerverband  des  Schiffes.
Sie  haben  je  nach  der  Schiffsform  eine  stark  gekrümmte  Form  und  können  infolgedessen
nur  selten  aus  einem  Stück  Krummholz  gefertigt  werden.  In  der  Regel  werden  sie  ans
zwei  Lagen  von  Hölzern  zusammengebaut,  deren  Stöße  entsprechend  gegeneinander  verschießen ­
  und  welche  entweder  dicht  an  dicht  liegen  oder  nach  oben  einen  wachsenden
Zwischenraum,  entsprechend  der  Verjüngung  der  Hölzer  erhalten  und  durch  entsprechende
Füllstücke  miteinander  verbolzt  werden.  Der  unterste,  auf  dem  Kiel  ruhende  Teil  der
Spanthölzer  heißt  die  Bodenwrange  oder  auch  das  Bauch-  oder  Flurstück;  es  wechseln
meist  halbe  und  ganze  Bodenwrangen  ab.  Es  folgen  dann  die  Sitzer,  die  Kimmstücke
und  die  Auflanger,  von  denen  es  bei  größeren  Schiffen  zwei  bis  drei  gibt,  und  endlich
das  Topstück.  Die  Spanthölzer  erhalten  in  der  Mitte  des  Schiffes  einen  rechteckigen
Querschnitt,  nach
vorn  und  nach  hinten ­
  wird  derselbe
entsprechend  der
Schärfe  der  Wasserlinienrhombisch,und ­

zwarsindzweiSeiten
normal  zur  Längsschiffsebene
  gerichtet,
die  beiden  anderen
Seiten  verlaufenparallel ­
  der  entsprechenden ­
  Wasserlinie.
Diese  Verschiebung
der  rechteckigen  in
die  rhombische  Form
nenntmanSchmiege.
Dieselbe  ist  also  mittschiffs ­
  gleich  Rull
und  nimmtnachvorn
und  hinten  stetig  zu,
668.  Aufrichten  der  Apantru.  auch  ändert  sie  sich
im  Verlauf  der
Spautkurve  etwas.  Die  Ausarbeitung  eines  Spantholzes  erfolgt  daher  nach  der  Spantknrve
  und  den  einzelnen  Schmiegen  mittels  Schablonen  oder  Mallen  nach  dem  Riß  auf
dem  Schnürboden.  Die  vordersten  und  hintersten  Spanten,  deren  Schmiege  sehr  bedeutend ­
  sein  müßte,  werden  meist  entsprechend  der  Schmiege  im  Vorschiff  nach  vorn,  im
Hinterschiff  nach  hinten  gekantet,  so  daß  die  beiden  Spanthälften  nicht  mehr  in  einer
Ebene  liegen,  sondern  mit  der  Längsschiffsebene  einen  Winkel  bilden.  Die  Spanten
heißen  dann  Kantspanten.  Die  halben  Bodenwrangen  derselben  stoßen  am  Totholz  ab,
und  ganze  Bodenwrangen  kommen  nicht  mehr  zur  Anwendung.  Im  oberen  Teil  erhalten
die  Kantspanten  im  Bug  und  Heck  meist  fächerartig  angesetzte  Abzweigungen,  da  sonst
der  Zwischenraum  zwischen  den  einzelnen  Spanthölzern  zu  groß  werden  würde.  Die
vordersten  Kantspanten,  welche  am  Vorsteven  anliegen  und  meist  die  Öffnung  für  das
Bugspriet  umgrenzen,  heißen  Ohrhölzer,  diejenigen,  welche  die  Öffnungen  für  die  Ankerklüsen ­
  abschließen,  Klüshölzer.  Im  Heck  liegen  am  Hinter-  bezw.  Rudersteven  die  Heckstützen
oder  Gillingshölzer  an  und  umschließen  die  Öffnung  für  den  Ruderkoker,  das  Hennegatt.
Die  Bauweise  der  übrigen  Kantspanten  richtet  sich  nach  der  Heckform.  Runde  Hecks  werden
ähnlich  dem  Vorschiff  gebaut.  Flache  Hecks  erhalten  unterhalb  der  Gillingsstützen  einen
horizontal  liegenden,  meist  etwas  gekrümmten,  starken  Heckbalken,  welcher  mit  dem
            
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