Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

662

Schiffbau.

sind  sie  nach  den  Raaen,  welche  sie  bewegen,  benannt,  z.  B.  Großmarsbrasse.  Zum  seitlichen ­
  Feststellen  der  Gaffeln  dienen  die  Geerden,  Taue,  die  an  der  Piek  der  Gaffel  befestigt ­
  sind.  Die  Gaffeln  werden  durch  sogenannte  Fallen  an  ihrer  Stelle  gehalten,  die
Klaue  durch  das  Klaufall,  welches  nach  der  Hinterkante  des  Marses  und  von  dort  an
Deck  geleitet  ist,  die  Piek  durch  das  Piekfall;  es  reicht  von  der  Piek  über  einen  oder
mehrere  Blöcke  am  Top  des  Mastes  an  Deck.  Zum  Heißen  oder  Fieren  der  Raaen  dient
eine  Kette  oder  ein  Tau  in  Verbindung  mit  einer  Talje,  das  sogenannte  Drehreep,
während  die  Stengen  entsprechend  durch  das  Stengewindreep  geheißt  und  gefiert  werden.
Drehreep  und  Windrecp  laufen  meist  über  einen  am  Mast  bezw.  der  Stenge  aufgehängten
Block  und  durch  eine  in  der  Stenge  in  einem  Scheibgatt  gelagerte  Scheibe.
Der  größte  Teil  der  Segel  wird  an  zwei  Rundhölzern,  an  zwei  Raaen  oder  an
der  Gaffel  und  dem  Baum  ausgespannt,  und  zwar  ist  das  Oberliek  der  Segel  stets  an  der
oberen  Raa  bezw.  der  Gaffel  angereiht.  Das  Unterliek  wird  durch  die  Schote  und  den
Hals  ausgespannt.  Die  Schote,  ein  Tau  oder  eine  Talje,  sitzt  bei  Schratsegeln  an  dem
hinteren,  unteren,  bei  Raasegeln  an  demjenigen  Schothorn,  welches  bei  angebraßter  Raa
nach  hinten  weist.  Der  Hals  ist  bei  Schratsegeln  an  dem  vorderen,  unteren  Halslegel,
bei  den  Raasegeln  an  dem  unteren,  vorderen  Brillenlegel  bei  angebraßter  Raa  befestigt.
Die  Bulienen  nebst  Spruten  dienen  dazu,  das  Luvliek  eines  Untersegels  beim  Amwindesegeln ­
  nach  vorn  zu  spannen.  Die  Geitaue  oder  Dempgordings  dienen  zum  Aufholen  der
Gaffelsegel  an  den  Mast,  die  Bauch-  oder  Nockgordings  zum  Aufholen  des  Fußlieks  bezw.
des  stehenden  oder  Seitenlieks  von  Raasegeln  an  die  obere  Raa,  so  daß  die  Segel
gardinenartig  herunterhängen.  Die  Refftalje  erleichtert  das  Reffen,  d.  h.  das  Verkleinern
der  Segel  und  wird  mittels  derselben  der  Refftakellegel  nach  der  Raanock  gespannt.  Zum
Beschlagen  der  gerefften  Segel  dienen  dünne  Taue,  die  Beschlag-  oder  Reffzeisinge.  Sind
die  Gaffelsegel  an  der  Gaffel  nicht  fest  angereiht,  so  wird  das  Piekohr  des  Segels  durch
den  Einholer  bezw.  Ausholer  längs  der  Gaffel  an  den  Mast  gezogen  bezw.  nach  der
Gaffelnock  ausgeholt.  Die  Stagsegel  haben  zum  Auf-  und  Niederziehen  ein  Fall  bezw.
einen  Niederholer.  Die  übrigen  Teile  des  laufenden  Guts  bestehen  aus  Tauen  —
Läufern  —  welche  in  Verbindung  mit  Blöcken  als  Flaschenzüge  —  Taljen,  Giens,
Take!  —  zu  den  verschiedensten  Arbeitsleistungen  verwendet  werden.  Die  Blöcke  bestehen
aus  einem  hölzernen  bezw.  eisernen  flachen  Gehäuse,  in  welchem  in  einer  oder  mehreren
Öffnungen  —  Scheibgatten  —  Rollen  mit  Hohlkehlung  aus  Pockholz,  Eisen  oder  Bronze
mittels  Bolzen  gelagert  sind.  Zum  Befestigen  des  Blockgehäuses  enthält  es  einen  Stropp
oder  einen  eisernen  Beschlag.  Nach  der  Zahl  der  Scheiben  unterscheidet  man  ein-  bis
vierscheibige  Blöcke,  nach  der  Form  der  Gehäuse,  Klump-,  Leit-,  Puppen-,  Violin-,
Schulter-  und  Kinnbackblöcke.  Erfolgt  die  Befestigung  des  Blocks  mittels  Haken,  so  nennt
man  ihn  einen  Hakenblock,  wird  derselbe  mit  einem  kurzen  Steert  angeschlagen,  so  heißt
er  Steert-  oder  Schwanzblock.  Hakenblöcke  mit  Wirbelhaken  nennt  man  Wirbelblöcke.
Das  durch  Blöcke  geschorene  Tauende  heißt  allgemein  Läufer.  Die  Taljen,  Takel  und
Giens  werden  zum  Einsetzen  und  Herausnehmen  der  Masten,  Mastgien,  zum  Heben  von
Lasten,  wie  Geschütze,  Boote,  Anker,  Ladung,  sowie  zum  Bedienen  der  Takelage,  Stag-,
Nock-,  Ladetakel  u.  s.  w.  in  verschiedenster  Weise  verwendet.
Sind  die  Masten  sowie  das  Bugspriet  eingesetzt,  die  Stengen,  Raaen  und  Gaffeln
aufgebracht,  der  Klüverbaum  ausgeschoben,  ist  das  stehende  Gut  aufgelegt  und  angesetzt,
das  laufende  Gut  eingeschoren,  so  ist  das  Schiff  auf-  oder  zugetakelt.  Es  sind  dann  nur
noch  die  Segel  anzuschlagen  —  unterzubinden,  um  das  Schiff  nach  Beendigung  der  Ausrüstung ­
  mit  Proviant,  Ladung  u.  s.  w.  seefertig  zu  machen.  Sind  die  Segel  abgeschlagen,
laufendes  Gut  ausgeschoren,  Klüverbaum  eingeholt,  Raaen  an  Deck  gelegt  und  die  Stengen
gestrichen  oder  heruntergenommen,  stehendes  Gut  abgenommen,  so  ist  das  Schiff  abgetakelt.
Die  Ausrüstung  des  Schiffes  besteht  nun  in  dem  gesamten  Inventar,  wie  Anker
nebst  Ketten,  Tauwerk,  Boote,  nautische  Instrumente  und  Flaggen,  Segel,  Persenninge
sowie  die  Utensilien  für  Wohn-  und  Mannschaftsräume,  ferner  die  Lebensmittel  an  Brot,
Fleisch  und  Trockenproviant  sowie  Trinkwasser  und  für  Dampfschiffe  Kohlen  und  Schmiermaterialien ­
  u.  s.  w.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.