Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Postverkehr  in  Italien  nnb  Spanien.

Gleichgültigkeit  der  meisten  Regierungen  gegenüber  den  Anforderungen  des  Verkehrs
geschah  nichts,  um  den  Nachteilen,  welche  aus  jenem  Übelstande  entsprangen,  einigermaßen
zu  begegnen.  Erst  mit  dem  Zusammenfassen  der  einzelnen  Länder  Italiens  zu  einem
einzigen  geordneten  Staatswesen  im  vorbezeichneten  Jahre  wurde  auch  der  freien  Entwickelung ­
  des  Postverkehrs  Bahn  gebrochen.  Freilich  war  es  für  die  Regierung  des  neuen
Einheitsstaates  keine  leichte  Aufgabe,  das  Postwesen  aus  dem  verwahrlosten  Zustande
heraus  zu  einer  achtunggebietenden  Stellung  emporzubringen,  und  es  bedurfte  dazu  nicht
nur  der  größten  Anstrengungen,  sondern  auch  der  Aufwendung  sehr  beträchtlicher  Geldmittel. ­
  Inwieweit  diese  Aufgabe  gelöst  worden  ist  und  wie  der  Postverkehr  in  neuester
Zeit  zugenommen  hat,  erhellt  aus  folgender  Gegenüberstellung  der  Betriebsergebnisse
der  italienischen  Posten  aus  den  Jahren  1875  und  1897.  Die  Zahl  der  Postanstalten,
welche  im  Jahre  1875  sich  auf  4142  belief,  war  1897  auf  7662  gestiegen;  in  dem
gleichen  Zeitraume  sind  die  Briefkasten  von  7690  ans  20  949  vermehrt  worden  und  ist
das  Beamteupersonal  von  14  914  ans  24  253  angewachsen.  Im  Jahre  1875  wurden
129341000  Briefe,  12  194000  Postkarten,  138082000  Drucksachen,  Zeitungsnummern, ­
  Geschäftspapiere  und  Warenprobensendungen,  3  890  000  Postanweisungen
und  25  000  Geldbriefe  befördert.  Im  Jahre  1897  dagegen  kamen  218  145  000  Briefe,
74  458  000  Postkarten,  292  193  000  Drucksachen,  Zeitungsnummern,  Geschäftspapiere
und  Warenprobensendungen,  11  678  000  Postanweisungen,  782  000  Postaufträge,
9  315  000  Pakete  und  1  457  000  Briefe  mit  Wertangabe  zur  Versendung.  Im  Jahre
1875  betrugen  die  Einnahmen  19  732  000  Mark,  die  Ausgaben  17  099  000  Mark;
1897  hatten  sich  die  Einnahmen  auf  53  829  000  Mark  und  die  Ausgaben  auf
47  091000  Mark  vermehrt.
Eine  der  italienischen  Postverwaltung  eigene  Einrichtung  sind  die  Postschreibstuben,
  die  vorzugsweise  von  schreibunkundigen  Personen  und  von  Ausländern  benutzt
werden.  Der  Inhaber  einer  solchen  Schreibstube,  welcher  für  die  Überlassung  des  betreffenden ­
  Raumes  im  Postgebäude  an  die  Postverwaltung  eine  entsprechende  Entschädigung ­
  zu  zahlen  hat,  besorgt  gegen  Entgelt  auf  Wunsch  nicht  nur  die  Abfassung  von
Briefen,  sowie  die  Verpackung  und  Adressierung  von  Sendungen  jeglicher  Art,  sondern
stellt  auch  dem  Nachsuchenden  das  zur  Anfertigung  von  Postsendungen  erforderliche
Material  zur  Verfügung  und  gibt  Auskunft  über  postalische  Einrichtungen  und  Vorschriften.
Den  Postannahmebeamten  wird  dadurch  eine  nicht  unwesentliche  Erleichterung  ihres
Dienstes  zu  teil,  da  sie  der  Mühe  überhoben  werden,  dem  die  Postschreibstuben  benutzenden
Publikum  über  die  bei  Auflieferung  der  Postsendungen  zu  beobachtenden  Vorschriften  Belehrung ­
  zu  erteilen.  Außerdem  erzielt  die  Postverwaltung  aus  der  Vermietung  der
Räume  eine  nicht  unbeträchtliche  Einnahme.  Auch  die  Inhaber  der  Postschreibstuben
sollen  ganz  gute  Geschäfte  machen.
Spanien  spielte  im  16.  und  17.  Jahrhundert  als  politische  Macht  in  Europa  eine
hervorragende  Rolle.  Dementsprechend  war  auch  das  Posttoesen  in  diesem  Lande  zu  jener
Zeit  schon  ziemlich  entwickelt,  so  daß  es  den  gleichen  Verkehrsinstituten  in  Frankreich  und
Deutschland  völlig  ebenbürtig  zur  Seite  stand.  Zu  Anfang  des  16.  Jahrhunderts  wurde
Simon  von  Taxis,  ein  Bruder  des  Generalpostmeisters  im  deutschen  Reiche  Franz
von  Taxis,  von  dem  Könige  Philipp  dem  Schönen  zum  Correo  mayor  von  Spanien  ernannt ­
  und  mit  der  Verwaltung  des  Postwesens  im  Lande  betraut.  Indes  gelang  es
weder  diesem  noch  seinen  Nachfolgern  im  Amte,  die  Post  in  Spanien  einheitlich  zu
organisieren,  weitste  dabei  auf  übergroße  Hindernisse  stießen,  welche  ihnen  von  seiten  der
städtischen  Behörden  und  der  religiösen  Brüderschaften  zum  Zwecke  der  Erhaltung  ihrer
eigenen  Botenanstalten  entgegengesetzt  wurden.  Die  Oorrsos  naayorss  wandten  ihre  Aufmerksamkeit ­
  daher  zunächst  vorzugsweise  den  Posten  auf  den  großen  Postkursen  zu,
tvährend  die  gedachten  Botenanstalten  den  Verkehr  auf  den  kleinen  Kursen  vermittelten.
Im  17.  Jahrhundert  bestand  in  Spanien  alle  14  Tage  eine  regelmäßige  Postverbindung
mit  England,  den  Niederlanden  und  Deutschland.  Inden  Provinzen  des  Landes  unterhielten
die  Bvtenanstalten  eine  wöchentliche  Verbindung  mit  der  Hauptstadt.  Im  Jahre  1706
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