Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

Die  selbständige  Zinsbildung  des  prioatsatzes  und  Effektenkredits
hat  für  die  Notenbankpolitik  drei  bedeutsame  Nonsequenzen.  Tiefer
Report-  und  Ultimogeld-,  teilweise  auch  tiefer  Privatsatz  vermögen
die  Absicht  der  Notenbank,  durch  hohe  Rate  im  Interesse  der  Handelsbilanz ­
  preisdrückend  zu  wirken,  zu  durchkreuzen,  wenn  der  privatsatz
unter  jenem  des  Auslands  bleibt,  dann  vermag  auch  eine  gegenüber
dem  Ausland  höhere  Bankrate  nicht  auf  die  Wechselkurse  einzuwirken,
für  die  mit  Rücksicht  auf  die  Qualität  der  Akzeptanten  der  Privatsatz
ausschließlich  zur  Anwendung  kommt.  Bei  starker  Spannung  zwischen
Bank-  und  privatrate  werden  endlich  eine  Reihe  von  Letriebskrediten
in  §orm  des  Akzeptkredits  —  durch  Ziehung  der  Industriefirmen  auf  die
Banken  —  aufgenommen,  die  dann  bei  Verringerung  der  Differenz
in  Diskontkredite  umgewandelt  werden,'  in  jenen  Reichen,  in  welchen
die  Notenbank  rediskontiert,  werden  in  Depressionsjahren  undinZahreszeiten
  der  Geldflüssigkeit  namhafte  Nreditmengen  in  Form  von  Akzeptkredit
  gegeben,  die  dann  bei  Zoctschreiten  der  Nonjunktur  und  an  den
schwereren  Iahresterminen  der  Notenbank  zur  Last  fallen.  Die  Zentralbank ­
  läuft  dadurch  in  geldflüssigen  Zeiten  Gefahr,  die  Fühlung  mit  dem
Geldmarkt  zu  verlieren  und  bekommt  in  Tagen  der  Anspannung  viel  Wechselmaterial ­
  von  Zirmen  herein,  mit  denen  sie  nicht  regelmäßig,  sondern
nur  bei  Zusammenschnürung  des  Marktes  arbeitet  und  deren  finanzielle
Verhältnisse  sie  darum  nicht  mit  voller  Sicherheit  beurteilen  kann.
Ihr  Goldvorrat,  ihre  Organisation  ist  auf  den  Maximalbedarf  eingerichtet, ­
  bei  der  zunehmenden  Bedeutung  der  Nreditbanken  aber  vergrößert ­
  sich  die  Spannung  der  Ausnützung  der  Notenbank  immer  mehr.
Mährend  noch  in  den  fünfziger  und  sechziger  Iahren  des  vorigen  Zahrhunderts
  die  Bank  von  England  und  die  Bank  von  Frankreich  in  Nrisenzeiten
  langsichtige  Wechsel  zurückwiesen,  wehren  sich  gegenwärtig  die
Zentralbanken  gegen  die  Verwendung  als  bloße  Einziehungsstellen,
die  ihnen  die  Nreditbanken  in  Zeiten  billigen  Geldes  zudenken  und
bemühen  sich  eifrig  um  möglichst  lange  Sichten.  Die  Notenbanken  der
wirtschaftlich  führenden  Staaten  des  Nontinents  gleichen  immer  mehr
Gebirgseisenbahnen,  deren  Anlagen  hohem  Verkehr  zweier  Sommermonate ­
  angepaßt  sein  müssen,  während  in  der  übrigen  Zahreszeit
die  Bahnsteige  menschenleer  sind  und  der  fünfte  Teil  des  Betriebsmaterials ­
  für  die  Bewältigung  des  Verkehrs  voll  ausreichen  würde.
Bei  weiterem  Wachsen  der  Spannung  der  Inanspruchnahme  ist  für
manches  Institut  —  vornehmlich  die  Reichsbank  —  die  Zeit  nicht  mehr
ferne,  in  der  bei  flüssigen  Geldverhältnissen  die  Zahlung  auch  nur  einer
bescheidenen  Dividende  auf  die  Anteile  gefährdet  ist.
            
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