Full text : Bankpolitik

52.  Die  Wirkungen  der  Verkehrs  unter  den  Kapitalmärkten.  225
land  wurde  durch  seine  Kolonien,  deren  Staatswerten  es  Mündelsicherheit ­
  eingeräumt  hat,  durch  Amerika  und  teilweise  Dstasien  außerordentlich ­
  start  in  Anspruch  genommen  und  als  Rapitalgeber  des  Kontinents ­
  rückte  immer  mehr  Frankreich  in  den  Vordergrund,  da  Deutschland ­
  den  größten  Teil  seines  Rapitalüberschusses  lange  Zeit  hindurch
für  sich  selbst  benötigte  und  Holland,  Belgien  und  die  Schwei;  für  große
Anleihebeträge  nicht  leistungsfähig  waren.  Seitdem  sich  bei  der  Allianz
mit  Rußland  die  Uapitalhergabe  als  wirksamer  Ritt  erwiesen  hatte,
suchte  Frankreich  Zug  um  Zug  für  Gewährung  von  Ausländsanleihen
politische  Vorteile  auszutauschen.  Und  die  Unterscheidung  zwischen
politisch  geförderten  und  politisch  mißliebigen  Anleihen  ist  von  Frankreich ­
  auch  auf  Deutschland  übergegangen.
Da  wir  uns  mitten  in  der  Entwicklung  befinden,  ist  ein  festes  Urteil ­
  über  die  Verbindung  von  Wirtschaft?-  und  äußerer  Politik  nicht
möglich.  Sie  scheint  aber  auf  unrichtigen  Voraussetzungen  zu  beruhen.
Um  augenblicklicher  politischer  Vorteile  willen  werden  Anleihen  übernommen, ­
  die  Jahrzehnte  hinaus  laufen.  Line  Rentenemission  von
1914  erstreckt  sich  bis  ungefähr  1970  und  im  Zeitraum  eines  halben
Jahrhunderts  kann  sich  die  politische  Haltung  eines  Staates  mehr  als
einmal  ändern.  Ulan  könnte  nicht  eine  einzige  politische  Uombination
nennen,  die  in  der  letzten  Vergangenheit  solange  Zeit  gedauert  hat.
Um  politischer  Vorteile  willen  könnte  man  zwei-  oder  dreijährige  Vorschüsse ­
  bewilligen,  aber  bei  fünfzigjährigen  Anleihen  kann  der  politische ­
  Standpunkt  den  ökonomischen  nicht  verdrängen,  sondern  es  muß
die  Frage  gestellt  werden,  ob  die  Uapitalanleihe  auch  unbeeinflußt
von  politischer  Gunst  oder  Ungunst  übernommen  würde.  Staaten
namentlich,  die  dauernd  auswärtiges  Uapital  benötigen,  pflegen  sich
gerne  dorthin  zu  wenden,  wo  sie  es  am  billigsten  bekommen  und  jeweils ­
  politische  Versprechungen  zu  machen,  an  die  sie  gerne  vergessen,
wenn  sie  anderswo  später  Geld  suchen.
Die  Konzentration  der  Kapitalbegebung  auf  bestimmte  Gebiete
verstößt  endlich  gegen  den  Grundsatz  der  Riskenverteilung.  politische
und  wirtschaftliche  Schicksale  des  starken  Schuldnerstaats  treffen  auch
den  Gläubiger  hart.  Er  ist  bei  der  eventuellen  Notwendigkeit  der  Zwangseintreibung ­
  seiner  Forderungen  allein  beteiligt  und  muß  alle  Mittel
der  völkerrechtlichen  Erzwingung  allein  durchführen.  Bei  Krisen  ist  es
dem  Gläubigerstaat  nicht  möglich  durch  Abstoßung  auswärtiger  Anlagen ­
  Hilfe  vom  Ausland  zu  bekommen,  da  die  Verbindung  von  Kapitalbegebung
  und  Politik  eine  Isolierung  der  Kapitalmärkte  zur  Folge
hat.  Und  im  Kriegsfall  ist  nicht  einmal  der  Rückstoß  der  Werte  in  das
L  o  m  a  r  7,  Bankpolitik.  15
            
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