Full text : Bankpolitik

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III.  Der  Kapitalmarkt.

Vordergrund  treten  zu  lassen,  weil  der  Finanzbankier  nur  daran  interessiert ­
  ist  und  da  das  Bankplacement  nicht  vom  Finanzhaus  selbst,
sondern  von  der  abhängigen  Kreditbank  besorgt  wird  und  der  finanzier
auch  keine  Verantwortung  den  Abnehmern  gegenüber  trägt,  kann  bei
Emissionen  ein  geringeres  Maß  von  Vorsicht  angewendet  werden.
Ver  andere  Unterschied  gegenüber  den  deutschen  Lanken,  die  Unmöglichkeit ­
  der  Filialerrichtung  außerhalb  eines  Bundesstaates,  wird
bei  der  Konzentration  besprochen  werden.
Im  starken  Gegensatz  zum  deutschen  und  amerikanischen  Banksystem ­
  stehen  die  englischen  Depositenbanken.  Sie  legen  die  zahlreich
und  zu  billigem  preis  ihnen  zuströmenden  Depositen  auf  dem  Geldmarkt ­
  und  in  Effekten,  zum  kleineren  Teil  in  hgpothekarkrediten  an,
pflegen  dagegen  den  industriellen  Anlagekcedit  nur  in  spärlichem  Maß
und  stehen  dem  Konsortialgeschäft  und  Effekienplacement  im  allgemeinen ­
  ferne.  Sie  geben  Effektenkredit  oder  Betriebskredit  ohne  sich
um  die  Zwecke,  die  der  Schuldner  damit  verfolgt,  zu  kümmern.  Während ­
  der  deutsche  Bankleiter  und  der  New  kjorker  Finanzier  die  Neigung ­
  hat,  das  anlegende  Publikum  und  die  Börse  als  Mittel  für  seine
organisatorischen  Zwecke  zu  nützen,  werden  die  englischen  Kreditbanken
von  Handel  und  Spekulation  als  Mittel  gebraucht.  Die  deutschen  und
amerikanischen  Lanken  sind  aktive  zweckbewußte  Leiter  der  Kapitalverwendung,
  die  englischen  neutrale  uninteressierte  Geldgeber.
Zn  dieser  altväterischen,  soliden  Politik  sehen  viele  das  Zdeal
einer  Lankleitung  und  die  Vorzüge  der  englischen  Praxis  sind  auch
unleugbar:  die  Banken  sind  nicht  bloß  mobiler,  sie  können  auch  bei
Auswahl  ihrer  Kredite  unbeeinflußt  vorgehen,  brauchen  nicht  nahestehende ­
  Werte  aus  Emissions-  oder  sonstigen  Gründen  zu  lombardieren,
nicht  einem  Unternehmen,  weil  es  ihrem  Konzern  angehört,  widerwillig ­
  den  Kredit  zu  erhöhen.  Sie  sind  der  Börse  und  der  Industrie
gegenüber  völlig  frei  und  das  ist  in  kritischen  Zeiten  nicht  hoch  genug
zu  veranschlagen.
Ebenso  sind  Industrie  und  Börse  völlig  frei  von  äußeren  Einflüssen.
Keine  englische  Bank  kündigt  einem  Unternehmen  den  Kredit  um  dadurch ­
  einen  Druck  auszuüben.  Der  Unternehmer  ist  in  England  wirklich ­
  Herr  im  Hause,  an  der  Börse  entsprechen  die  Kurse  mehr  als  anderswo ­
  dem  Verhältnis  von  Angebot  und  Nachfrage  und  Intervention
wird  nur  in  geringem  Maße  geübt.
Aber  die  Industrie  entbehrt  in  England  wegen  der  Abstinenz
der  Kreditbanken  des  Rückhalts  einer  starken  Finanzgruppe,  die  sie
finanziell  führt,  die  Zeit  bestimmt,  in  der  Kapitalerhöhungen  zweck-
            
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