Full text : Bankpolitik

63.  Die  Konjunkturpolitik  der  Banken  auf  dem  Kapitalmarkt.  257
mäßig  durchgeführt  werden,  Rapitalerhöhung  sichert,  auch  wenn  die
Emission  noch  nicht  durchführbar  ist,  durch  ihre  Verbindungen  neue
Geschäfte  zuführt,  bei  Auslandsemissionen  ihr  Lieferungsinteresse
wahrt.  Die  englischen  Industrieaktien  leiden  unter  der  lokalen  und
vielfach  sehr  rückständigen  Kapitalaufbringung  und  im  internationalen
Wettbewerb  macht  sich  dies  besonders  fühlbar.  Oie  Banken  tragen  nicht
die  Konjunkturgefahren,  aber  die  Industrie  entbehrt  dadurch  des  Vorteils ­
  jederzeit  Anlagekapital  zu  erhalten  und  dadurch  den  günstigsten
Zeitpunkt  sofort  ausnützen  zu  können.
vie  Beratung  des  Publikums  bei  seiner  Vermögensanlage  liegt
bei  den  brokeis,  von  denen  manche  hervorragende  Kenntnisse  und
viel  Gewissenhaftigkeit  besitzen  —  manche,  aber  bei  weitem  nicht
alle.  Oie  Unterbringung  von  Effekten  besorgt  noch  immer  fast  ausschließlich ­
  die  Börse,  die  in  keiner  Beziehung  zu  den  Banken  steht.  Infolge ­
  der  mangelnden  Uebersicht  über  die  Aufnahmsfähigkeit  des  Marktes
sind  darum  Fehlschlüge  der  Emissionen  außerordentlich  häufig  und
die  chualität  der  auf  den  Markt  kommenden  Papiere  läßt  sehr  viel
zu  wünschen  übrig.
Das  englische  Bankwesen  leistet  vorzügliche  Dienste  dem  Geldmarkt ­
  und  dem  Handel,  aber  den  Bedürfnissen  der  Industrie  und  des
Anlagepublikums  ist  es  nur  wenig  angepaßt  und  es  haben  sich  bisher
noch  nicht  andere  Organisationen  gefunden,  welche  die  Lücke  gleichwertig ­
  ausfüllen  könnten.
63.  Die  KonjunKturp  olitik  der  Banken  aus  dem  Kapitalmarkt.
Die  Epochen  und  Perioden  des  Kapitalmarkts  fallen  mit  jenen
des  Geldmarkts  zeitlich  zusammen.  In  Epochen  der  Investitionen
eilt  der  Kapitalbedarf  der  Nachfrage  voran,  und  da  wegen  des  Steigens
der  preise  die  Rentabilitätsrate  der  Aktienwerte  sinkt,  wirken  zwei
Momente  in  der  Richtung  der  Herabdrückung  des  Rentenkurses.  Innerhalb ­
  der  Epochen  der  Investitionen  finden  die  Konjunkturbewegungen
statt,  wobei  mit  Fortschreiten  der  Epoche  die  Zinsrate  an  den  Spitzen
der  Konjunkturen  immer  höher,  die  Rentabilitätsrate  immer  niedriger
zu  liegen  pflegt;  mit  andern  Worten:  die  Rentenkurss  sinken,  nur
in  Vepressionszeiten  der  einzelnen  Konjunkturen  wird  diese  Bewegung
aufgehalten,-  die  Aktienkurse  erreichen  am  Zenith  der  Periode  den
Kurs  der  vorigen  Periode  zumindest  wieder  und  es  vergrößert  sich  darum
die  Zahl  derer,  die  Aktien  zu  dauerndem  Besitz  halten.
Für  den  Erwerb  von  festverzinslichen  Werten  zur  Anlage  sind  darum
Sonisltf,  öcmfpolitif.  17
            
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