Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

nickt  vermindert  werden.  Es  können  doch  unmöglich  alle  Staaten  gleichzeitig ­
  weniger  importieren  und  mehr  exportieren,  die  Kapitalanlage
gegenüber  dem  Ausland  einschränken  und  von  ihm  mehr  borgen!
wir  werden  aber  sehen,  daß  in  dieser  Richtung  die  Wirksamkeit  der
Diskonterhöhung  in  verschiedenen  Staaten  verschieden  ist.
3.  Die  Wirkungen  dem  In-  und  Ausland  gegenüber  treten  nur
ein,  wenn  die  Leihsätze  der  anderen  Banken  sich  dem  Diskontsatz  der
Notenbank  anschließen;  ist  dies  nicht  der  Fall,  dann  kann  die  Diskonterhöhung ­
  nur  Wirkung  auf  die  bei  der  Notenbank  eingereichten  Wechsel
und  auf  den  mit  dem  Bankdiskont  zusammenhängenden  Kontokorrentzins,
  nicht  aber  auf  die  bei  den  Kreditbanken  diskontierten  Wechsel,
ferner  auf  den  Privatsatz  —  und  damit  auf  die  Heranziehung  des  auswärtigen ­
  Kapitals  —  ausüben.
Die  zur  Begründung  der  Diskontpolitik  angeführten  Momente
hatten  in  der  Londoner  dity  und  in  der  Zeit,  in  der  sie  sich  ausgebildet
haben,  volle  Berechtigung.  Man  hatte,  dem  Handel  der  dity  entsprechend, ­
  stets  den  Importeur  und  Exporteur  vor  Augen,  der  allerdings ­
  bei  seiner  kleinen  Gewinnrate  durch  Deränderungen  des  Leihzinses ­
  ebenso  entscheidend  beeinflußt  wird  wie  der  Effektenhändler.
„Der  niedrige  Diskont",  so  erklärte  Page  vor  dem  Eommittee  von
1840,  „erlaubt  das  halten  von  großen  Warenbeständen,  erhöht  dadurch
die  Preise  der  Importgüter,  und  da  diese  Rohstoffe  sind,  steigert  er
die  Preise  der  exportierten  Güter",-  und  Patterson  schilderte  die  Wirkungen ­
  der  Diskonterhöhung  in  folgender  §orm:  „Es  dauert  Monate,
ehe  eine  Order  auf  Baumwolle  oder  Australwolle  ausgeführt  werden
kann,  und  wenn  die  Lankrate  in  der  Periode  zwischen  der  Erteilung
der  Order  und  der  Ankunft  der  Güter  erhöht  wird,  findet  der  Importeur
seine  Berechnungen  geändert  und  hat  einen  Verlust  statt  eines  Gewinnes ­
  ;  er  muß  zu  forzierten  Verkäufen  schreiten,  denn  nur  wenige
können  auf  bessere  Zeiten  warten.  Seine  Kunden,  die  für  die  Diskontierung ­
  der  Wechsel  hohe  Raten  zu  zahlen  haben,  müssen  weniger  oder
zu  reduzierten  Preisen  kaufen."
Diese  Beweisführung  ist  dem  internationalen  Handel  Londons
angepaßt,-  die  Möglichkeit  der  Abwalzung  der  Diskonterhöhung  auf
den  Käufer  ist  darum  nicht  erörtert  worden.  Bei  der  zentralen  Bedeutung ­
  Londons  für  die  Kreditgewährung  im  überseeische^  Warenbezug ­
  hatte  die  Erhöhung  der  Londoner  Rate  auf  die  Entschließungen
des  Rohmaterialhandels  Bedeutung,  nicht  aber  die  gleiche  Maßnahme
einer  anderen  Notenbank.  Die  Rohmaterialbezüge  für  ganz  Europa
wurden  auch  bis  zum  Kriegsbeginn  noch  in  überwiegendem  Maße  durch
            
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