Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Allgemeines  und  Spezielles  über  Entwicklung  und  Stand  der  Wohlfahrtspflege.  39
Jugendsparkasse  betrug  am  Jahresschluß  1911  1175,  außerdem  gehörten  ihr  112  freiwillige ­
  Mitglieder  an.  Sämtliche  Sparkassen  der  Firma  schlossen  am  31.  Dezember  1911
mit  einem  Guthaben  von  419  275  M.  ab,  das  einer  Zunahme  von  98  781  M.  =  30,8  %
gegen  das  Vorjahr  entspricht.
Als  Mittel  zum  Ansporn  des  Sparens  werden,  wie  dies  zuerst  bei  Krupp,  Essen  eingeführt ­
  wurde,  alljährlich  Sparprämien  in  Höhe  von  500  M.  verlost.  Die  Firma  besitzt
auch  zwei  Beamtensparkassen,  die  am  Schluß  des  Jahres  19x1  346  bzw.  321  Sparer
hatten.  Das  Guthaben  beider  Kassen  stellte  sich  1911  am  Jahresschluß  auf  872  709  M.
Ein  Jubiläumsfonds  der  Firma  Edler  &  Krische  in  Hannover  von  100  000  M.
dient  in  der  Art  zur  Prämienverteilung  an  Angestellte  und  Arbeiter,  die  über  25  Jahre
der  Firma  angehören,  daß  die  Prämiensummen  von  alljährlich  xoo  bis  zu  30  M.  herab  nicht
ausgezahlt,  sondern  bei  der  Firma  mit  5%  zinsbar  angelegt  bleiben,  und  erst  nach
dem  Tode  des  Jubilars  seiner  Witwe  oder  den  direkten  Nachkommen  ausgezahlt  werden.
Man  kann  also  diese  Einrichtung  als  eine  Lebensversicherungssparkasse  bezeichnen.  Den
Jubilaren  wird  eine  Schuldurkunde  der  Firma  ausgehändigt.
Bei  Villeroy  &  Boch  in  Mettlach  wurden  bei  der  Zwangssparkasse  für  Arbeiter
und  Arbeiterinnen  unter  25  Jahren  bis  1.  Januar  1913  bereits  553  810  M.  in  gesperrten  Sparkassenbüchern ­
  gespart,  dies  macht  auf  den  Kopf  der  Sparer  730  M.  —  Das  Alexanderwerk
A.  von  der  Nahmer,  A.-G.  Remscheid,  besitzt  eine  Zwangssparkasse  ganz  ähnlicher  Art
mit  Einzahlungen  von  60  Pf.  bis  2  M.  pro  Woche,  bei  6  %  Verzinsung,  sowie  eine  freiwillige
Sparkasse  mit  6%  Verzinsung  und  Prämienverlosung.  —  Die  Fabriksparkasse  bei  Kübler
&  Niethammer,  Kriebstein,  wurde  bereits  1856  errichtet.  Es  gab  hier  1912  unter  den
845  Sparern  152,  deren  Sparsumme  über  1000  M.  beträgt,  darunter  3  mit  einem  Betrage  von
10—12  000  M.
Die  Glashüttenwerke  in  Gerresheim  haben  eine  Zwangsspareinrichtung
für  unverschuldete  Arbeitslosigkeit  eingerichtet.
Die  Papierfabrik  Max  Krause  in  Berlin  hat  eine  Fabriksparkasse  eingerichtet, ­
  die  schon  Einlagen  von  wöchentlich  10  Pf.  an  annimmt.  Daß  man  auch  für  diese
Pfennigsparkasse  in  Arbeiterkreisen  Verständnis  gefunden  hat,  geht  daraus  hervor,  daß
in  den  ersten  16  Jahren  181  Sparer  ein  Sparkapital  von  116  541  M.  zurückgelegt  hatten,
das  von  der  Firma  mit  5  %  verzinst  wurde.
In  die  Arbeiter-  und  Beamtensparkasse  der  Firma  W.  Spindler,  Spindlersfeld
wurden  von  1872  resp.  1874  bis  1911  eingezahlt  6221  891  M.  und  hierauf  Zinsen  (5  %)  vergütet ­
  im  Betrage  von  887  733  M.  Die  Bedeutung  dieser  Einrichtung  kann  man  aus  diesen
Ziffern  ermessen.  —  Die  Hoflieferanten  Theod.  Hildebrand  u.  Sohn,  Berlin  N.  20,  berechtigen ­
  ihre  Angestellten  bis  zum  zehnten  Teil  ihres  Verdienstes  in  die  Firma-Sparkasse
einzuzahlen,  welche  6  %  Zinsen  gewährt.  —  Durch  hohe  Stiftungserträgnisse  und  Zuwendungen ­
  zeichnen  sich  die  Spareinrichtungen  der  Frankfurter  Sozietäts-Druckerei,
G.  m.  b.  H.,  Frankfurt  a.  M.,  aus.  —  Die  Stettiner  Chamottefabrik,  A.  G.  vorm.
Didier  gibt  Arbeitern,  welche  10  Jahre  dem  Werke  angehören,  alle  fünf  Jahre  ein
Sparkassenbuch  mit  entsprechender  Einlage,  als  Prämie.  —  Bei  der  Firma  A.  H.  A.  Bergmann ­
  in  Wald  heim  werden  die  gesetzmäßig  abgezogenen  Beiträge  zur  Krankenkasse  und
Invalidenversicherung  den  Arbeitern  gutgeschrieben  und  ihnen  nach  10  jähriger,  25  jähriger
und  30  jähriger  Dienstzeit  in  Form  von  Sparkassenbüchern  zurückerstattet.  —  Die  Firma
L.  C.  Oetker,  Marzipan-  und  Marmeladenfabrik,  Altona-Bahrenfeld,  gibt
ihren  Arbeitern  vom  10.  Dienstjahre  an,  bis  zum  20.  Dienstjahre,  alljährlich  eine
Sparkasseneinlage  von  100  M.
Eine  beachtenswerte  Einrichtung  ist  die  Geschäftssparkasse  der  Manufakturwarenfirma ­
  E.  Breuninger  inStuttgart.  Alle  von  der  Firma  gemachten  Stiftungen  und  sonstigen
Zuwendungen,  als  Tantiemen,  Extradividende,  Prämien,  Extrazulagen  usw.  werden  nicht
an  die  betreffenden  Angestellten  und  Arbeiter  (gegen  700)  ausgezahlt,  sondern  als  Guthaben
            
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